De Gaulle und der Élysée-Vertrag

DruckenVortrag von Frau Dr. Beate Gödde-Baumanns und Herrn Wolfgang Schwarzer, Deutsch-Französische Gesellschaft

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 24. Februar 2017

Heute wird ein Thema behandelt, welches uns schon öfter in seinen Bann gezogen hat: Die Beziehung zu unserem Nachbarn Frankreich.

Denken wir nur an den Vortrag von Prof. Menudier letzten Oktober, unsere Elsass Reise vor zwei Jahren oder die Champagner Reise in zwei Monaten…

Diese besonderen Beziehungen zeichnen sich u.a. aber auch darin aus, dass viele unserer Mitglieder auch der DFG angehören und umgedreht. Und dann gibt es immer einen besonderen Höhepunkt, der alljährlich am 22. Januar von der DFG im Rathaus unserer Stadt gefeiert wird, der Abschluß des Élysée-Vertrages. Aber was steckt eigentlich in diesem Vertrag und wie kam er zustande?

Bevor dieses – und vieles andere – geklärt wird, genießen wir das französische Buffet von Feinkost Kersten. Es ist von exzellenter Qualität wie auch die Tische festlich gedeckt sind. Eine hervorragende Einstimmung auf den nun folgenden Vortrag.

Dazu haben wir hier zwei Experten eingeladen. Herr Schwarzer erinnert daran, dass in 200 Jahren Deutschland und Frankreich, deren Beziehung mit dem Begriff der „Erbfeindschaft“ charakterisiert wurde, fünf Kriege gegeneinander geführt hatten. Nach den Schrecken des NS-Regimes war bei vielen Franzosen die Erinnerung an die deutsche Besatzung noch sehr präsent, Frankreich blickte nach wie vor mit großem Misstrauen auf den Nachbarn. Es ist wirklich mehr als bemerkenswert, dass die letzten 60 Jahre durchgängig friedlich zwischen beiden verliefen.

Frau Dr. Gödde-Baumanns ist Augenzeugin der Zeit von Charles de Gaulle und der Entstehung des Élysée-Vertrages – nur 17 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges. De Gaulle, geprägt von deutscher Kriegsgefangenschaft, ist für ein hartes Vorgehen gegen den Kriegsverlierer Deutschland; Versöhnung und Verständigung waren nicht zu erwarten. Es sollte in mehrere Länder aufgeteilt werden, so dass zukünftig keine Gefahr mehr davon ausgehen könnte. Die „Erbfeindschaft“ ist unser unausweichliches Schicksal. Es gilt die politische Maxime: „Sicherheit vor Deutschland“.

Jedoch ging die Zivilgesellschaft einen anderen Weg, ab 1949 gibt es erste Annäherungen sowohl auf privater Ebene als auch erste Städtepartnerschaften. Ebenfalls gab es ein Umdenken im französischen Außenministerium: Frankreich müsste sein Bestreben aufgeben, Deutschland klein zu halten, das nur zu neuen Konflikten führen würde. Stattdessen sollte die Vereinigung der europäischen Gesellschaften die neue Zielstellung sein. Ein erster Schritt – die Keimzelle der EU – war 1952 die Gründung der Montanunion (Frankreich, Deutschland, Italien und Benelux).

Das führt dazu, dass sich de Gaulle und Kanzler Adenauer der Versöhnung verschrieben. Im Juli 1962 besuchte Adenauer Frankreich, in der Kathedrale von Reims feierten er und de Gaulle am 8. Juli eine „Messe für den Frieden“. Bei seinem Gegenbesuch, zwei Monate später, wurde de Gaulle nicht nur in Bonn ein begeisterter Empfang bereitet, sondern auch in Düsseldorf, Duisburg, Hamburg, München, Stuttgart und Ludwigsburg. De Gaulle sprach vom „Großen Deutschem Volk“ und das auf Deutsch, das  brach alle Dämme bei der deutschen Bevölkerung.

Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Adenauer und de Gaulle den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag (Élysée-Vertrag), der die enge Beziehung beider Länder auf ein vertragliches Fundament stellte. Dieser Vertrag hat eine doppelte Funktion: Versöhnung und Bildung. In der Organisation bedeutet dieses: Regelmäßige Konsultationen der Regierungsspitzen zur Außen-, Europa- und Verteidigungspolitik mit dem Ziel, möglichst eine gemeinsame Haltung zu erzielen. Und man wird sich gemeinsam den Erziehungs- und Jugendfragen widmen, um so eine Brücke für die Zukunft zwischen beiden Ländern zu schlagen mit einem zentralen Punkt, ein Deutsch-Französisches Jugendwerk zu schaffen.

In den folgenden Jahrzenten erfuhren die Beziehungen zwischen beiden Ländern viel  Aufs und Abs. Aber unzweifelhaft führte dieses dazu, die europäische Idee voranzubringen. Eingehend beleuchtet Frau Dr. Gödde-Baumanns die verschiedenen Präsidenten / Kanzler Paarungen bis zum heutigen Tage. Besonders amüsant ist die Widerspiegelung der jeweiligen Realitäten in den entsprechenden Karikaturen.

Lange klingt der Abend in uns nach.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Brunei Darussalam – „Hort des Friedens“?

Vortrag von Herrn Hans-Jürgen Reitzig, Berater des Sultans von Brunei

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 15. Januar 2017Drucken

Wir starten in das Neue Jahr 2017!  Einiges dieses Jahr ist neu und einiges ist gleichzeitig bewährt.

Das ist schon bewährt: Wir fangen an mit einem Thema aus Fernost. Dieses Mal: „Brunei Darussalam – „Hort des Friedens“?“. Herr Hans-Jürgen Reitzig wird uns Einiges zu Gehör bringen vom Sultanat auf der Insel Borneo im Südchinesischen Meer.

Aber einiges ist neu: Wir haben einen neuen Caterer, auf den wir alle schon sehr gespannt sind: Feinkost Kersten, seit Generationen ansässig in Duisburg. Gemeinsam haben wir viel  vor:

  • Das gewohnt hohe kulinarische Niveau vielleicht noch etwas erhöhen
  • Viele neue Veranstaltungen, um die Societät wieder zu einem Mittelpunkt des Duisburger Lebens zu machen

Eines gleich vorweg: Wir werden eine Feinschmecker-Reise auf höchstem Niveau erleben – nach dem Vortrag.

Bewährt und gleichzeitig neu: Dieses Jahr haben wir ein überwältigendes Veranstaltungsprogramm mit vier Reisen, (Hamburg, Champagne, Wien & Bratislava, Bremen & Worpswede), Vorträgen zu Politik (Brunei, de Gaulle, Kirchen, Medien) und Wissenschaft (Herz & Seele, E-Mobilität, Zoo, Ernährungsgewohnheiten) sowie Geselligkeit (Fisch- & Spargelessen, Sommerfest, Weihnachts- & Silvesterfeier).

Nun zum ersten Teil: Herr Hans-Jürgen Reitzig von 1993 bis 2004 Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK zu Duisburg hat anschließend eine zweite berufliche Karriere gestartet. Seit nunmehr fünf Jahren ist er Berater der Regierung von Brunei; er hilft dort, technische Ausbildung nach deutschem Modell einzuführen.

Er beschreibt die Lage und die Historie des Sultanats; ab dem 18. Jh. begann ein zwischenzeitlicher Abschwung, 1847 kam es unter englischen Einfluss, wurde 1888 sogar britisches Protektorat und erlangte erst 1984 die Unabhängigkeit, als islamische Monarchie.

Das Land gehört mit 400.000 Einwohnern eher zu den ganz kleinen aber mit 40T US$ pro Kopf Einkommen zu den fünf reichsten Ländern der Erde. Bildungs- und Gesundheitswesen stehen jedem unentgeltlich zur Verfügung, auch die Universität. Die Bürger zahlen keine Steuern, es existiert eine Körperschaftssteuer von unter 20%. Der Reichtum beruht auf Öl- und Gasförderung, vor allem Off-shore. Er stellt die finanzielle Basis dar. Mit einer Öl-Förderung von 800.000T Barrel / Tag und einer Gasförderung von 400.000T Barrel / Tag geht das meiste als Flüssiggas (LNG)-Export nach Südkorea und Japan. Diese Einnahmen ermöglichen die Wohltaten sowohl für die Bevölkerung als auch eine gezielte Wirtschaftsförderung mit Schwerpunkt auf „grüne“ Technologien. Und es werden auch bemerkenswerte Naturschutzprojekte aufgelegt, wie das „Heart of Borneo“.

Beeindruckende Bilder auch von der Hauptstadt Bandar Seri Begawan, direkt am Fluss gelegen, welcher bald darauf im Südchinesischem Meer mündet. Zu den herausragenden Bauten gehören sicher der Palast des Sultans von Brunei, der Istana Nurul Iman, der mit mehr als 1.800 Zimmern und 200.000 Quadratmeter überbauter Fläche als größter Palast der Welt gilt und die Omar-Ali-Saifuddin-Moschee, beides erbaut vom Sultan, einmal der amtierende und das andere Mal von dessen Vorgänger im Amt, seinem Vater. Nahe letzterer Moschee befindet sich das „Wasserdorf“, zu beiden Seiten des Flusses erbaute, auf Holzpfähle im Wasser stehende, Holzhütten, mit eigenen Schulen und kleineren Moscheen für über die Hälfte der Hauptstadtbewohner. Auch die, für diese Leute, errichteten (Beton-) Neubauten können die Menschen nicht von hier weglocken.

Zum Schluss bekommen wir noch ein paar Anmerkungen zum Einführen der Scharia zu Gehör. Es gilt bis heute noch das englische Rechtssystem, aber es wird in mehreren Schritten die Scharia eingeführt, schließlich ist das Sultanat eine islamische Monarchie – allerdings deutlich moderater als in den Golfstaaten heutigen Zuschnitts. Ja, Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit wird mit Auspeitschen, schwerer Raub wird mit Verlust einer Hand geahndet und Ehebruch mit Steinigung. Allerdings sitzen Frauen auch in hohen Regierungsämtern, dürfen Auto fahren – dennoch weit entfernt von unseren heutigen, westeuropäischen Vorstellungen. Es ist wohl eher der Gesamtsituation in Südostasien geschuldet und soll möglichen Fundamentalisten den Wind aus den Segeln nehmen.

Alles in allem: Brunei Darussalam – „Hort des Friedens“ unter besonderen Umständen.

Ein hochinteressanter, spannender und gleichzeitig unterhaltender Vortrag von Herrn Reitzig über die Gegebenheiten und das Potential eines Zwergstaates, der zukünftig eine beträchtliche Rolle innerhalb der ASEAN Wirtschaftsordnung (600 Mio. Menschen umfassend) spielen wird.

Das Essen im Anschluss ist ebenbürtig. Feinkost Kersten glänzt mit einem Potpourri von kleinen asiatischen Köstlichkeiten u.a. mit Sushi, Carpaccio vom frischen Lachs, Pflaumen im Speckmantel, Frühlingsröllchen, marinierte Shrimps usw. und ausgewachsener Hähnchenbrust mit frischem Kokosblattspinat und Zander in Zitronengras.

Das Versprechen des Vorsitzenden, auch kulinarisch den Pegel in der Societät noch etwas anzuheben, ist voll aufgegangen: Wir haben eine sowohl bildhafte als auch kulinarische Reise auf höchstem Niveau erleben dürfen.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Silvesterfeier

DruckenIn den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 31. Dezember 2016

Ein Jahr geht wieder zur Neige, wir feiern mit dem traditionellen Silvesteressen unsere letzte Veranstaltung für dieses Jahr. Heute ist alles etwas anders. Wir sitzen im Kaminbereich, lassen uns von dem lodernden Feuer gefangen nehmen und werden vom Vorsitzenden, Herrn Dr. Ralf Tempel, eingestimmt.

Ein Auszug aus der alten Festschrift „150 Jahre Societät“ gibt uns da näheren Aufschluss: Die Silvesterveranstaltungen um das Jahr 1835 waren auch gleichzeitig Jahreshauptversammlungen, sie wurden mit einem großen Fischessen gefeiert, aber auch nur, wenn der Rhein nicht zugefroren und die Fische deshalb herbei geschafft werden konnten.

Aber nun geht’s zum großen Essen. Wir tun uns ausgiebig und genießerisch gütlich am reichlich vorhandenem gutem Essen und Trinken. Heitere Gespräche in einer sehr angenehmen Atmosphäre vermitteln uns beste Laune.

Im Laufe des Abends treten immer wieder einzelne Mitglieder an das Mikrofon und geben eine passende Geschichte zum Besten.

Frau Christel Hornschu: „Zwischen den Jahren“. Bis zur Kalenderreform durch Papst Gregor XIII war der Beginn des neuen Jahres in weiten Teilen Europas der 6. Januar. Das Jahresende wurde dagegen traditionell am 24. Dezember begangen, so dass die Zeit bis Beginn des nächsten Jahres „zwischen den Jahren“ lag. In dieser Zeit durften nur notwendige Arbeiten verrichtet werden, aus Angst vor Unheil; sie galt als Zeit der Dämonen.

Herr Dr. Otto Hornschu: Vier Gedichte von Hermann Lausberg, u.a. mit Frau Möllmann und der Barbesuch und über die Unannehmlichkeiten, die ein Jäger bei der Treibjagd über sich ergehen lässt

Herr Dr. Michael Greeske: „Gebet einer Äbtissin“, in dem der Herr angerufen wird für Tugenden, die noch heute aktuell sind und die – so sie denn in ausreichendem Maße bei der damaligen wie auch der heutigen Menschheit vorhanden wären – das Zusammenleben enorm vereinfachen würde.

Ein weiterer Beitrag befasst sich mit „Dem Kuss in all seinen Variationen“

Herr Wolfgang Schwarzer: Zur Erfindung der Schlagsahne in Chantilly und wie sich deren Erfinder und Ausrichter des Festmahls zu Ehren Ludwig XIV am dritten Tage selbst mit dem Degen richtete, als der georderte Fisch zum Hauptgang nicht eintraf – da hat es aber der gegenwärtige Vorsitzende gut, dass die Fische heute pünktlich geliefert wurden!

Frau Katharina Tempel: Ein Rezeptvorschlag für ein ganzes Jahr von Goethe’s Mutter Catharina Elisabeth ….

Pünktlich zum Neuen Jahr versammeln wir uns auf der Terrasse mit einem Gläschen in der Hand und genießen das Feuerwerk über Duisburg.

Ein unvergesslicher Abend und alle sind sich einig: Diese Tradition sollte wieder zum Leben erweckt werden. Dieses Jahr werden wir wieder Silvester in der Societät feiern.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske & Dr. Ralf Tempel)

Festliche Weihnachtsfeier

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 10. Dezember 2016Drucken

Die Weihnachtsfeier ist immer der Höhepunkt im Jahr. Die Räumlichkeiten sind festlich geschmückt, wir werden eingestimmt schon am Eingang, mit einem wunderschönen Baum, einem Kaminfeuer, mit Glühwein und Plätzchen. Dafür danken wir der Familie Borgards & Team recht herzlich. Schnell stellt sich eine entspannte und fröhliche Stimmung bei allen ein. Ebenso präsentieren sich die Anwesenden – insbesondere die Damen – ganz außerordentlich in Gala.

Der Vorsitzende, Herr Dr. Ralf Tempel, hält eine kurze Rückschau zu den Veranstaltungen in diesem Jahr. Wir können auf ein erfolgreiches Jahr zurück blicken, sowohl auf die 16 Veranstaltungen, als auch die sehr gute Resonanz, die diese gefunden haben.

  • Reisen (Beschwipster Main, Berlin)
  • Politik (Nordkorea, Internationaler Terrorismus)
  • Wissenschaft (Magnetismus, Zoo, Anästhesie)
  • Geschichte (Zwei geschenkte Leben, Rundgang Kaiserberg)
  • Geselligkeit (Fisch- & Spargelessen, Sommerfest, Weihnachtsfeier)

Unser Veranstaltungswart, Frau Katharina Tempel, hat für heute einen außergewöhnlichen Unterhaltungsteil zusammengestellt; er wird dieses Jahr komplett durch unsere Mitglieder selbst gestaltet. Es unterhalten uns:

  • Frau Lore Rabe (Klavier) & Herr Dr. Andreas Felsner (Cello) treten gemeinsam auf mit Stücken von u.a. Händel, Schubert und Mendelssohn-Bartholdy,
  • Frau Loni Kreuder trägt ein altes, niederrheinisches Weihnachtsgedicht,
  • unser „Engelchen“, Frau Ilse Neuber mehrere berührende Weihnachtsgeschichten,
  • Frau Gerda Wilms einen Weihnachtswunsch: Ein artiges Kind,
  • Herr Armin Stemm den satirischen Jahresrückblick und
  • Frau Trude Ernst ein sentimentales Gedicht vor.

Und zwischendurch singen wir traditionell und sehr innig einige Weihnachtslieder.

Anschließend wird der Abend gekrönt mit einem sehr guten Essen und ausgiebigen Gesprächen.

Welch‘ ein wundervoller Abend in einer familiären Atmosphäre!

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

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