Anästhesie – O, Schmerz, lass nach!

DruckenMartinsgans-Essen und Vortrag von Herrn Dr. Michael Greeske

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 11. November 2016

Martinitag – traditionell bedeutet es bei uns die Einladung zum Gänseessen. Wir kommen gern. Die Dekoration stimmt uns entsprechend ein und schnell sind wir zu 100% dabei: Gemeinsam singen wir das Martinslied.

Bevor wir aber zum Essen schreiten, wünscht noch ein Mitglied, Frau Christel Hornschu, unser Gehör. Passend zum heutigen Abend trägt sie Mythisches, Historisches und Traditionelles zum Gänseessen vor. Dann tritt noch ihr Mann, Herr Dr. Otto Hornschu, hinzu und beide rezitieren die Gänsecantate (Gi ga gack) von Hoffmann von Fallersleben. Diese Überraschung ist gelungen!

Aber jetzt zum Essen, da haben wir uns ein ganzes Jahr darauf gefreut, natürlich gibt es Gans satt. Aber auch Möhren untereinander ist für einige von uns das „Non plus ultra“. Einigen von uns schmeckt der anschließend gereichte Brand ganz besonders gut.

Jetzt ist es Zeit für den Vortrag. Herr Dr. Michael Greeske wird von unserem Vorsitzenden, Herrn Dr. Ralf Tempel, vorgestellt – durchaus kurz und launig, ist doch Dr. Greeske ein langjähriges Mitglied, das in den verschiedensten Funktionen tätig war und ist.

„Anästhesie – O, Schmerz, lass nach!“ Dieser Wunsch ist bestimmt schon jeden einmal durch den Kopf geschossen. Dr. Greeske hält einen sehr detaillierten und richtig amüsanten Vortrag.

Zunächst gilt es zu unterscheiden zwischen Schmerz- und Schlafmittel. Erfahrungen dazu reichen weit zurück. Schon 2.250 v. Chr. ist das Bilsenkraut (verwandt mit Tollkirsche und Stechapfel) als Rauschmittel bekannt; es fand auch in Homers Odyssee als Mittel gegen Trauer Erwähnung. Die Skyten beschrieben die Inhalation von Haschisch. 225 kam die Kunde aus China, dass OPs unter Zuhilfenahme von Haschisch und Opium vorgenommen werden. Um 1100 wird der Narkosebegriff eingeführt und um 1300 wird aktives Erwecken aus der Narkose durch Riechfläschchen und Gebrauch narkotischer Mittel beschrieben. Im 14. Jh. veröffentlichte Guy de Chauliac sein Lehrbuch, die „Chirurgia Magna“ und im 16. Jh. Hans von Gersdorff sein „Feldtbüch der Wundartzney“.

Paracelsius mahnte eine ganzheitliche Betrachtung an und prägte die These: „Die Menge macht das Gift“. Äther wird immer wieder beschrieben, aber man kann noch nichts Rechtes anfangen. Es gibt illustre Parties im Ätherrausch, ebenso mit Lachgas; doch auch schon erste Selbstversuche, z.B. in Verbindung mit einer Zahnextraktion: „Der Schmerz hat sich dem Ätherdunst beugen müssen“. Im 19 Jh. wurden dann viele Stoffe hinsichtlich Schmerzmittel untersucht, dabei setzte sich Äther gegenüber Chloroform (9 Tote bei 50.000 Behandlungen) durch.

Es folgt sehr viel technisches Detailwissen zu heutigen Narkosemitteln, wobei Propofol – nahezu ohne Nebenwirkung! – hervorzuheben ist.

Dr. Greeske zeigt uns noch eine Reihe von Hilfsmitteln, die in der heutigen Anästhesie Anwendung finden. Ebenso stellt er klar, dass der Stand des Anästhesisten oberhalb des Chirurgen anzuordnen ist, da er viel mehr medizinisches Wissen benötigt als dieser.

Eine tolle Veranstaltung, wir fühlen uns unheimlich wohl. Welch ein interessanter Abend!

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske, Dr. Ralf Tempel)

Der internationale Terrorismus – Eine gemeinsame Herausforderung für Frankreich, Deutschland und Europa

Vortrag und Gespräch mit Herrn Prof. Dr. Henri Ménudier,
Mitglied der Französischen Akademie der Wissenschaften Drucken

Gemeinsame Veranstaltung der SOCIETÄT DUISBURG e.V., der
Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg und EuropeDirect

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 26. Oktober 2016

Wir erleben einen schönen Herbsttag, um diese Zeit ist die Sonne aber bereits am Horizont zu finden und mit dem flackernden Feuer im Kamin wissen wir: Das Winterhalbjahr in der Societät hat Einzug gehalten.

Zum Sektempfang stehen wir – beinahe dicht gedrängt – beieinander. Der Vorsitzende der Societät, Herr Dr. Ralf Tempel, begrüßt alle Anwesenden und betont in seinen Worten den Wert der heutigen, gemeinsamen Veranstaltung von Societät, DFG und EuropeDirect. Ganz besonders begrüßt er Herrn Generalkonsul Vincent Muller und den heutigen Vortragenden, Herrn Prof. Dr. Henri Ménudier. Letzterer ist Lehrstuhlinhaber für Politikwissenschaften an der Sorbonne, Publizist und Politikberater. Er gilt als Fachmann in den Bereichen „Deutschland nach 1945“ sowie in deutsch-französischen und europäischen Fragen.

Doch zunächst wenden wir uns dem heutigen Essen zu, wie immer gibt es Köstlichkeiten von unserem Caterer der Firma Borgards, die auch für die hervorragende Raum- und Tischdekoration gesorgt hat. Es ist eine Freude so festlich zu dinieren und dabei so spannende und gleichzeitig unterhaltene Gespräche zu führen.

Nun aber zum Hauptpunkt der heutigen Veranstaltung. Herr Dr. Tempel führt Herrn Prof. Dr. Ménudier ein, er verweist insbesondere auf seine reichhaltige Erfahrung als Politologe, als Buchautor, als Teilnehmer an zahlreichen Radio- und Fernsehsendungen in Deutschland und Frankreich und als Produzent von 20 Dokumentarfilmen für das deutsche Fernsehen.

Henri Ménudier geht als erstes auf das Deutsch-Französische Verhältnis ein, zieht für den Bereich Politik ein positives Fazit mit mehr als 70 Jahren Frieden, auch weil die Menschen den Dialog aufnahmen, so wie es die DFG Duisburg, die vielen Schulen und die anderen Organisationen schon so lange pflegen. Im Bereich der Wirtschaft gibt es allerdings große Unterschiede; Frankreich erscheint zunehmend abgekoppelt, und das hat großen Einfluss auf den Bereich der Zivilgesellschaft, in der sich Meinungsunterschiede auftun, aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung sowie der unterschiedlichen Historie, besonders bei Immigranten.

Er brauche nur die aktuelle Tageszeitung aufschlagen, da kommen täglich die Meldungen aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika. Aber als ehemalige Kolonialmacht, die darüber hinaus in den aktuellen militärischen Konflikten Afrikas und des Nahen Ostens verwickelt ist, bleibt Frankreich eine wichtige Zielscheibe des internationalen Terrorismus.

In Frankreich gibt es eine lange Tradition von Attentaten:

  • Welle (nach dem 2. Weltkrieg), Regionalisten (Basken u.a.) unternehmen Angriffe auf Institutionen
  • Welle (Algerienkrieg), erst General de Gaulle kann den Algerienkrieg beenden, der gleichzeitig ein innerfranzösischer Bürgerkrieg ist
  • Welle (Action directe), Zusammenschluss von Autonomen, Anarchisten und spanischen Emigranten, die vor dem Franco-Regime geflohen sind, die Ausbildung der Terroristen erfolgt im Nahen Osten, hier gibt es viele Parallelen/gemeinsame Aktionen zu/mit der RAF in Deutschland
  • Welle, als die Terroristen nach Kriegsende aus Afghanistan zurück kommen
  • Aktuelle Welle (ab 2012):, Ziele sind nun das militärische Engagement Frankreichs im Nahen Osten und das Judentum, es sind ganze Gruppen, die gut vernetzt sind

Diese letzte Welle fand ihren Höhepunkt zunächst in dem Überfall auf die Redaktion von Charlie Hebdo Anfang 2015, wo erstmalig eine gesamte Redaktion ermordet wurde, am nächsten Tag wird ein Polizistin erschossen und am dritten Tag Juden in einem Geschäft, insgesamt 17 Tote plus die drei Terroristen, danach gab es in Frankreich die größte Demonstration seit dem 2. Weltkrieg.

Im November 2015 gab es wieder drei Attentate, im Stade de France beim Fußballspiel F-D, die Attentäter sind nicht hineingelassen worden, weil sie keine Eintrittskarten vorweisen konnten, zwei Attentäter sprengten sich in die Luft, der dritte fuhr zu den anderen beiden Gruppen, die im Ausgehviertel und in einem großen Konzertsaal wahllos auf Menschen schießen. Dabei sollte es noch weitere Attentate drei bis vier Tage später geben: In einer Schule, in einem Einkaufszentrum und auf einer Polizeiwache. Diese geplanten Aktionen konnten aber rechtzeitig vereitelt werden. Ein Terrorist entkommt nach Brüssel, dort wurden die Aktionen geplant, die Terrorismusbekämpfung ist dort weit weniger stark ausgeprägt, als anderswo.

Zwei anschließende Großereignisse (u.a. die Fußball EM) gehen ohne Terroraktionen zu Ende, bis es am Nationalfeiertag in Nizza zu der mörderischen Fahrt des großen, weißen LKWs auf der abgesperrten Promenade kam, 86 Menschen finden den Tod, ⅓ davon Muslime, durch einen Muslim. Knapp zwei Wochen später wird ein 80-jähriger Priester während der Messe ermordet.

Es gibt viele Traumatisierte in Frankreich, nicht nur bei den betroffenen Hinterbliebenen, auch Ärzten und Pflegern, die entscheiden müssen, wer z.B. zuerst eine Behandlung bekommt.

In Deutschland gibt es in den 70er Jahren die RAF, die eine Spur mit Toten und Verletzten hinterlässt, Frankreich ist durch die o.g. Action directe involviert, Martin Schleier wurde im Elsass tot aufgefunden. Stuttgart-Stammheim (Gefängnis für RAF Mitglieder) galt als Ausdruck des repressiven Polizeistaates, auch besonders in der französischen Presse.

Aber auch heute gibt es eine neue Welle, wie die jüngsten Ereignisse in Würzburg, München, Ansbach und Chemnitz/Leipzig zeigen. Unsere Sicherheit ist definitiv infrage gestellt. Es wird geschätzt, dass 840 IS-Kämpfer aus Deutschland stammen, davon sind 230 zurück gekehrt und 140 tot, 460 sind noch in Syrien und dem Irak. Was ist mit diesen Terroristen? Werden sie neue Attentate planen / durchführen oder haben sie abgeschworen?

Die aktuelle Lage ist besonders gefährlich, weil die Kriege der muslimischen Staaten eine große Anziehungskraft auf einen Teil der Jugend ausüben, welcher die Lebensart und die Werte des Westens radikal ablehnen. Deswegen muss man sich mit Ursprung, Formen, Organisation, Folgen und Bekämpfung des internationalen Terrorismus auseinandersetzen.

Die meisten Attentäter haben einen Migrationshintergrund, eine doppelte Staatsangehörigkeit und stammen aus Nordafrika oder dem Nahen Osten. Sie haben Probleme in der Familie, mit ihren Finanzen und oft eine straffällige Vergangenheit. Die Radikalisierung findet häufig in Gefängnissen und Moscheen statt. Und sie benutzen zur Kommunikation meistens das Handy und das Internet, haben einen großen Hass gegen den Westen, die Nationalstaaten und die Rolle der Religion, aber sehr begrenztes Wissen über die Religion selbst. Ein spezielles Problem stellen die Konvertiten da, die radikalisierte Islamisten noch übertrumpfen wollen und die jungen Frauen, die als „Gebärmaschine“ gesehen werden und sich als besonders aggressiv hervorheben wollen.

Die Frage geht natürlich an uns: Was treibt diese Menschen an? Es ist ein Scheitern in der Familie, in der Schule, in der Gesellschaft schlechthin auch durch Ausgrenzung und prekäre Wohnverhältnisse. Aber warum scheitert die Integration?

Wie konnte der Terrorismus in seiner jetzigen Form so erblühen?

  • Er entsteht aus der Gesellschaft , da der Nährboden dafür vorhanden ist
  • Aus den internationalen Beziehungen, den Konflikten zwischen den Ländern
  • Gründung des Staates Israel (es gab vier Nahost Kriege) und kein Staat der Palästinenser
  • Problem Iran, seit dem Machtantritt Chomeinis
  • Problem Afghanistan, als Stellvertreterkrieg Sowjetunion – USA, viele ehemaligen Kämpfer haben sich anschließend weitgehend verteilt
  • Problem Irak, als zwei Entscheidungen der USA: Auflösung von Staatspartei und Armee dazu führte, dass viele davon zu Terroristen konvertierten
  • Problem Syrien, da seit 2011 so viele verschiedene Gruppen gegeneinander kämpfen
  • Problem Jemen, ebenfalls ein Stellvertreterkrieg Iran – Saudi Arabien/USA, es geht um die Vormacht am Golf (Erdölreserven)
  • Problem Algerien, jetzt relativ ruhig, aber was wird, wenn der alte Präsident stirbt
  • Problem Türkei, möchte überregionale Macht darstellen, keine Duldung eines Kurdenstaates

Es geht um eine existentielle Herausforderung: Die Vereinbarkeit von Islam, Demokratie und Menschenrechte sowie der Beitrag Europas zur Lösung der Konflikte. Demokratie ist schwer durchsetzbar ohne eine eigene Geschichte der Demokratie. Diese gilt es zu stärken.

Wie gebannt sitzen wir an unseren Tischen, wir erleben eine brillante Analyse eines Politologen, der die Wurzeln des Terrorismus, die weit zurück reichen, offen legt.

Geduldig beantwortet Herr Prof. Dr. Ménudier die zahlreichen Fragen aus dem Auditorium. Auch lange nach dem offiziellen Schluss steht er Einzelnen noch Rede und Antwort. Ein denkwürdiger Abend geht langsam zu Ende.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Sprachgeschichte des Niederrheins

DruckenVortrag von Herrn Dr. Georg Cornelissen

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 1. September 2016

Wir haben schönstes Sommerwetter und einen besonders schönen Stau auf der A40 bei Neuenkamp – einige unserer Mitglieder und unser Caterer stecken mitten drin. Aber einen ordentlichen Begrüßungsschluck genehmigen wir uns schon einmal.

Dieses bedeutet, wir haben ein wenig Zeit, uns etwas tiefer auf das heutige Thema, Sprachgeschichte am Niederrhein, einzustimmen mit Fragen: Wo kommen wir eigentlich her? Wo sind unsere Wurzeln? Wie entstanden unsere Namen?

Von dem wir diese und viele andere Antworten erwarten, ist Herr Dr. Georg Cornelissen. Als Leiter der Abteilung Sprachforschung ist er beim „Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte“ im Landschaftsverband Rheinland in Bonn tätig, dieses bedingt eine starke Reisetätigkeit; zum einen, um an adäquate Schriftstücke in den weit verstreut liegenden Stadt- und Kirchenarchiven zu gelangen und zum anderen, um sich ein persönliches Bild von Land und Leute zu machen.

Doch zunächst steht unser Essen, bestehend aus lauter leckeren Rheinischen Köstlichkeiten, an. Es ist reichhaltig gedeckt und wir finden – neben vielen anderen – Rheinischen Sauerbraten mit Honigkuchen, Prümkes, Rübenkraut, Kartoffelklöße und Rotkohl, Duisburger dicke Bohnen mit Kottelet, kleine Reibekuchen mit Räucherlachs, kleine Frikadellen, gekochtes Rindfleisch mit Meerrettich, dicken Reis mit Pflaumen u.v.a.m. Die Familie Borgards hat wieder überragendes, ausdrücklich sei hier die geschmackvolle Dekoration mitgenannt, auf die Beine gestellt.

Doch nun zum heutigen Thema, unser Gast ist einer von bundesweit deutlich unter 100 Dialektologen mit der räumlichen Begrenzung auf das Gebiet des Niederrheins. Er kommt humorvoll, trocken und direkt daher, er spricht Niederrhein-Platt. Diese Sprache – so befindet er – gehört sprachhistorisch 10-mal eher zum Niederländischen als zum Deutschen. Aber wer soll das schon so genau auseinanderhalten, da wir im deutsch-niederländisch Dialektkontinuum, von Bozen bis Amsterdam, leben. Innerhalb dieses Kontinuums lassen sich sprachlich keine eindeutigen Grenzen ziehen, man versteht sich mit den Bewohnern der Nachbarorte noch ohne größere Probleme und es wird schwieriger, je weiter weg der Gesprächspartner herkommt.

Dr. Cornelissen hat seine Vortragsunterlagen für jeden von uns ausgedruckt. Nun können wir den heutigen Abend sogar schwarz auf weiß verfolgen und anschließend nach Hause tragen, vielen Dank dafür!

Aber jetzt zum ersten Beispiel, der Name Buschmann. Busch soweit ist klar: Wald. Mann deutet auf einen Bauern hin. Also der Besitzer des Gehöfts am Wald. Interessant ist hier, dass die Bäuerin anfänglich Buschfrau genannt wurde, ebenso der Sohn: Buschsohn. Später dann wandelt sich das zu Buschmanns Frau, respektive Buschmanns Sohn. Das konnte dann auch schon dazu führen, dass ein eingeheirateter Mann, dann nicht mehr z.B. Jensen, sondern ab der Hochzeit dann Buschmann hieß. So sollte man also nicht meinen, wenn man seinen Namen im 15. Jahrhundert erwähnt findet, dann unbedingt mit dieser Person auch verwandt zu sein. Gerade die Namen waren immer wieder einer Wandlung unterzogen. Also, Namensforschung bleibt schwierig!

Weitere Beispiele für die Verbindung örtlicher Gegebenheiten und dem Eigener „Mann“ sind: Brinkmann, Feldmann, Hülsmann, Bruckmann/Brockmann, Hengstmann, Kampmann, Brüggemann, Heymann, Steegmanns/Steegmann, Boschmann/Bosmann, Hofmann/Hoffmann, Stratmann, Hövelmann und Winkelmann.

Aber wie sprachen die Leute vor 200 oder 500 Jahren? So genau weiß man das nicht, wer kann sich schon aktuell mit jemanden aus der Zeit unterhalten. Aber es gab die Schriftsprache und da fallen von Ort zu Ort die Unterschiede schon auf. Beispiele gefällig? Aus den Dialektfragebögen von Georg Wenker (um 1885):

  • Walsum    Wat sette dor van Vögelkes bowe op dat Mürke?
  • Duisburg   Wat sette(n) doför Fögelkes bowen op dat Müerken ?
  • Baerl         Wat setten do von Vogelsches bowen op die Mürkes?
  • Huckingen Wat sette do van Vögelsches bowe ob dem Mürke.

Die Zuwanderung bedrängte dann die Dialekte  schon sehr, es gab die Hochsprache als Standard, die alle verstehen konnten und damit sank der Anteil der einheimischen Dialekte. Nur wenige versuchen die Dialekte hochzuhalten. Dr. Cornelissen weiß, dass bei vielen Menschen das Herz an der Sprache hängt. Über Sprache identifizieren wir uns mit dem Ort, dem Raum und Menschen, die uns verbunden sind.

Welch interessanter Abend!

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dietmar Niechcial)

Zoo-Führung

mit Herrn Direktor Achim WinklerDrucken

Zoo Duisburg / In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 11. August 2016

Wie jedes Jahr gibt es seitens der Societätsmitglieder regen Zuspruch zum avisierten Zoobesuch mit unserem Mitglied, Herrn Direktor Achim Winkler.

Erstmals hat uns hierbei das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht – es regnet! Wir waren schon geneigt, den Rundgang auf eine Fragestunde im Trocknen zu reduzieren – aber ohne unsere Mitglieder, sie wollen den Zoo und seine Bewohner auch mal in feuchter Umgebung kennenlernen.

Gewohnt informativ und schwungvoll führt uns Herr Winkler durch „seinen“ Zoo. Er verweist auf die Bedeutung des Zoos für die Bildung aller, aber auch als Bewahrer vor dem Aussterben bedrohter Arten. Geschickt bindet er uns, die Zuhörer und Zuschauer, durch Fragen ein, so dürfen wir raten wie groß eine Giraffe bei der Geburt sein muss und dass der freie Fall bei einer Stehendgeburt doch immer glimpflich abgeht.

Wir lernen, dass Carotinoide unsere Lebensmittel in den appetitlichen Farben rot, gelb und orange erscheinen lassen – das wissen bei uns natürlich alle, die gern kochen. So kommen u.a. Karotten, Paprika und Aprikosen zu ihrer schönen Farbe wie eben auch die Flamingos im Zoo.

Wir gehen noch in das Elefantenhaus, die drei Damen haben jetzt auch noch das Außengehege des Bullen dazu bekommen, nachdem er letzte Woche nach Wien verlegt worden ist. Die Populationen in Afrika differieren außerordentlich, von fast vom Aussterben bedroht bis „Überbevölkerung“, ersteres hängt teilweise mit Finanzproblemen (Schutz vor Wilderern), letzteres mit falsch verstandenen Tierschutz von europäischen und amerikanischen Ländern (der damit einhergehende Druck auf afrikanische Staaten führt zur wortwörtlichen Verwüstung) zusammen. – Eine Elefanten Dame scheint sich einen Spaß daraus zu machen, Herrn Winkler etwas zu necken. Sie „überreicht“ ihn ein wenig Futter.

Natürlich schauen wir auch bei unserem Flussdelfin vorbei und erfahren vieles über ihr Leben und warum sie sich von ihren Artgenossen im Meer unterscheiden. Sie gehören allerdings keiner aussterbenden Art an, so dass sie eines Tages hier nicht mehr zu sehen sein werden. Ein Tukan scheint ebenfalls sehr interessiert an dem Gesprochenen, als er sich direkt über uns nieder ließ.

Über die Wildkatzen und Luchse gelangen wir zu den Königen der Tiere, den Löwen, die einzige Katzenart, die in einem Rudel lebt. Wir hoffen hier auf ein neues Rudel, denn der Chef „Piefke“ ist nicht mehr.

Nach der Führung gehen wir, gemeinsam mit Herrn Winkler, zu unseren Räumlichkeiten, gleich nebenan. Familie Borgards hat einen kleinen Imbiss angerichtet: Es gibt Spitzkohl-Eintopf mit Frikadelle. Das passt richtig zum Wetter! Dazu schmeckt doch ein Bier hervorragend! Wir sitzen noch lange zusammen.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske & Dr. Ralf Tempel)