Einladung zum Grillnachmittag auf unserer neu gestalteten Terrasse

Auf der Terrasse der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 26. Juli 2018

Heute ein lockeres Zusammentreffen mit einem einzigen Grund: Grillen auf unserer neu gestalteten Terrasse. Eingeweiht hatten wir sie bereits mit unserem Sommerfest. Heute feiern wir ein wenig unter uns und mit dem zentralen Anliegen der gebührenden Aufmerksamkeit für das vorgenommene Re-Design.

Wir haben Glück, haben wir uns doch den wärmsten Tag des Jahres mit 38°C ausgesucht, wie weggewischt die Gedanken an einen halbwegs warmen, etwas verregneten Pseudo-Sommertag, wie wir ihn uns doch noch vor vier Wochen ausgemalt haben, als wir den heutigen Grillnachmittag angekündigt haben. Aber Jammern hilft nicht, stattdessen freuen wir uns über den Jahrhundertsommer. Selbst Herr Hobohm outete sich kurz vor der Veranstaltung noch als hitzeresistent: „Gegrillt wird, gesagt ist gesagt!“

Die Überraschung ist groß, als zu unser aller Freude Herr Hajo Hübers mit seiner Gitarre auftritt. Er spielt und singt altbekannte Melodien sehr stimmungsvoll – manches können wir mitsingen.

Die Veranstaltung ist wieder perfekt vorbereitet durch den Vorstand, aber auch die Mitglieder tragen zum allgemeinen Wohlgefühl bei, so stehen Blumen aus dem eigenen Garten auf den Tischen und Fächer, das „Must-have“ für diese Witterung, liegen für jeden bereit.

Unser Caterer, Herr Hobohm und sein Team, versorgt uns zunächst mit Kaffee und Kuchen, der hervorragend mundet. Das haben wir nicht so oft und spontan kommt die Forderung auf, doch öfter die Veranstaltungen schon am Nachmittag beginnen zu lassen.  Eine Überlegung ist das mindestens wert.

Anschließend werden hauseigene Würstchen, Steaks, Spieße und in Folie gewickelter Lachs gegrillt, dazu gibt es reichliche Beilagen. Wir schwelgen und können uns dabei ungezwungen miteinander unterhalten.

Ein (fast) unbeschreiblicher Nachmittag geht in den Abend über, selbst unsere Nachbarn, die Elefanten, haben ihre Freude daran; sie tanzen mit!

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske & Dr. Ralf Tempel)

GRAZ – Musikalisch – Kulinarisch

Festivalreise zur STYRIARTE in die Steiermark

Kulturreise der Societät Duisburg e.V. mit ArnoldMusic Reisen

4. – 8. Juli 2018

„Warum Graz?“ wird sich so mancher Reiseinteressierter fragen. Die Landeshauptstadt der Steiermark und zweitgrößte Stadt Österreichs liegt so ein wenig außerhalb unseres „Blickwinkels“. Dabei ist Graz neben Wien der kulturelle und als Genusshauptstadt der kulinarische „Hotspot“ Österreichs von internationalem Rang. Als Europas Kulturhauptstadt 2003 und seit 2011 „UNESCO City of Design“ zählt Graz mit seiner historischen Altstadt („UNESCO Weltkulturerbe“), südländischem Flair, moderner Architektur und Design zu den interessantesten Städten weltweit, denen es gelungen ist, Vergangenheit und Zukunft eindrucksvoll miteinander zu verbinden. Wichtige Gründe also, Graz als Reiseziel unbedingt in unser Reiseprogramm aufzunehmen. Ein weiterer wichtiger Anlass ist das international renommierte, von Nikolaus Harnoncourt gegründete Musikfestival „STRIARTE“, das mit drei ausgewählten Konzerten den Eindrücken von Graz und der bezaubernden Landschaft der Steiermark den „musikalischen Glanz“ verleihen sollte.

Die Vorbereitung und Durchführung der 5-tägigen Flugreise der Societät liegt in den bewährten Händen von ArnoldMusic Reisen mit denen wir schon so manch unvergessliche Musik- und Kulturreise erleben durften (u.a. Rom, Venedig, Salzburg, Aix en Provence, Mailand, Wien/Bratislava, Verona, London, Hamburg).

Mittwoch, 4. Juli 2018
Mit einer relativ kleinen Mannschaft, durch kurzfristige Erkrankungen auf 14 Teilnehmer „geschrumpft“, starteten wir, wegen unterschiedlicher Wohnorte unserer Mitglieder, sowohl vom Düsseldorfer Flughafen als auch von den Flughäfen in Frankfurt und München nach Graz. Der Flugplan der Lufthansa lässt es zu, dass alle Teilnehmer nach der Landung in Graz zusammenfinden und gleich gemeinsam in das facettenreiche Programm einsteigen.

Nachdem uns unsere Grazer Stadtführerin Frau Sigrid Alber charmant begrüßt hat, verknüpften wir den Bustransfer zum Hotel gleich mit einer kleinen Stadtrundfahrt durch das Villen- und Universitätsviertel mit Gründerzeitbauten, aber auch interessanten Objekten der Grazer Schule der modernen Architektur.

Nach der Ankunft im Schlossberghotel**** im Zentrum von Graz geht es sofort weiter mit der Schlossbergbahn (gleich neben dem Hotel) auf den Schlossberg, eines der Wahrzeichen von Graz. Bei einem kleinen Spaziergang zum Restaurant „Aiola Upstairs“ genießen wir erste schöne Aussichten auf die Stadt. Hier gibt es einen kleinen erfrischenden Willkommens-Aperitif vor dem herrlichen Panorama der roten Altstadtdächer mit Weltkulturerbe Prädikat. Auf der Terrasse des Restaurants dann beim Mittagessen ein erster Eindruck von der guten Steiermärkischen Küche. Anschließend mit dem Schlossberglift wieder zurück zum Hotel, wo wir uns ein wenig von der Anreise erholen können.

Am Abend dann das erste musikalische Festival-Highlight in der Helmut-List-Halle mit einer eindrucksvollen Aufführung des 8. MADRIGALBUCHs  -GUERRIERI ET AMOROSO- von  CLAUDIO MONTEVERDIS ACHTEM, einem ausdruckstarken Schlüsselwerk der Musikgeschichte (1608-1632) in der Wiedergabe durch die weltberühmte „La Capella Real de Catalunya/Le Concert des Nations“ unter der Leitung von Jordi Savall.

Beim Tagesausklang an der Hotelbar findet ein reger Austausch über die ersten Eindrücke von Graz und insbesondere das musikalische Ereignis des Abends statt.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Nach dem köstlichen steiermärkischen Frühstück starteten wir mit unserer Grazerin Sigrid Alber zu einem ersten Stadtrundgang durch die beeindruckende Altstadt. Romantische Innenhöfe, Renaissancebauten wie das Landhaus, aber auch die Stadtkrone mit Burg, Dom und Mausoleum, die an die Zeit der Habsburger Residenz erinnern, säumen unseren Weg. Darüber hinaus bietet Graz aber auch als „Genusshauptstadt Österreichs“ allerlei kulinarische Köstlichkeiten, die uns die Stadtbesichtigung mit Besuch des bei den Grazer beliebten Bauernmarkts am Kaiser Josef Platz würzen. Hier gab es ein kleines „Gaumen- Intermezzo“ in der Weinbar „Klappotetz“ mit steirischen Spezialitäten und einem Glas Wein.

Mittagessen im beliebten Restaurant „Eckstein“ am Mehlplatz mitten in der Altstadt.
Der Nachmittag ist für individuelle Aktivitäten, meist zum Ausrasten, reserviert.

Am Abend brechen wir zu einem Besuch eines ausgewählten Buschenschanks (dem in der Steiermark beliebten sommerlichen Vergnügen, ähnlich dem Wiener Heurigen) auf. Wir haben den pittoresken, in den Weingärten gelegenen Buschenschank „Wastl“ in Graz-Mariatrost ausgesucht. Bei gutem Wein und vielen kleinen verführerischen Köstlichkeiten, genießen wir „beschwingt“ die besondere, steierische Atmosphäre.

Freitag, 6. Juli 2018

Wir verlassen Graz, um in die wunderschöne Landschaft der Südsteiermark „einzutauchen“. Der Ausflug ins südsteirische Weinland, dem „Steirischen Himmelreich“, führt uns, leider bei Regenwetter, zunächst zu einer traditionsreichen Ölmühle, in der wir in die Geheimnisse der Produktion des steirischen Kernöls eingeweiht werden. Anschließend ging es über Seggau, der alten Bischofsburg, durch die Weinberge zum bekannten Weingut „Dreisiebener Stammhaus“. Bei gutem Wein und einer exzellenten Brettljause verbringen wir in den gemütlichen Stuben des Buschenschanks die Mittagszeit. Nun fahren wir noch weiter Richtung Süden über die eindrucksvolle und berühmte „Südsteirische Weinstraße“, entlang der slowenischen Grenze. Hier hellt sich der Himmel ein wenig auf, so dass wir unvergessliche Aussichten auf die „steiermärkische Toskana“ mit ihren herrlichen Weinhügeln genießen können.

Unser abschließendes Ziel ist das hochdekorierte Weingut Tement in traumhafter Lage, inmitten der Weingärten, wo wir eine Kellerführung mit Weinprobe und „Häppchen“ mit Blick in das „Himmelreich des Weines“ genießen können.

Am Abend erwartet uns dann das unterhaltsame und temperamentvolle Festivalkonzert GIPSY BAROCK mit dem gefeierten Ensemble „Il Suonar Parlante“ unter der Leitung von Vittorio Ghielmi.

Auf dem Programm: Ungarische Tänze, Haiduckentänze, Zigeunertänze aus barocken Sammlungen des 17. und 18. Jahrhunderts, Polnische und Hanakische Tänze aus Werken von Georg   Philipp Telemann u.a., interpretiert von Stano Palùch, Zigeunergeige; Marcel Comendant; Cymbalon, Graciella Gibelli, Gesang; Jana Semerádová, Flöten und Vittorio Ghielmi, Viola da gamba. Das begeisterte Publikum entlässt die großartigen und mitreißenden Musiker erst nach mehreren Zugaben.

Samstag, 7. Juli 2018

Graz von der anderen Seite ist das Motto der Stadterkundung, diesmal wieder bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Graz also auf der „anderen Seite“ der Mur, gegenüber der Altstadt. Ein äußerst lebendiger und bunter Stadtteil, geprägt vom Künstler-und Designviertel (Graz ist seit 2011 UNESCO City of Design). Wir besuchen auch das Minoriten- und Franziskanerkloster, und das Kunsthaus, das im wahrsten Sinne „phantastisch“, wie ein scheinbar schwereloses, riesiges und blaues Ufo von einem anderen Stern (von den britischen Architekten Peter Cook und Colin Fournier entworfen und „A Friendly Alien“ genannt) das Bild des Stadtteils prägt. Von der Needle im Kunsthaus bietet sich ein weiterer wunderbarer Blick auf den Schlossberg und auf die Altstadt. Bei einem kleinen Kaffee-Intermezzo erinnert Frau Alber an das Kulturhauptstadtjahr 2003. Im Nachherein gibt es das Mittagessen im ausgezeichneten „Restaurant Landhauskeller“ im herrlichen Renaissance-Innenhof des Landhauses. Danach ist wieder Zeit zum Ausrasten, um gut für den musikalischen Höhepunkt der Reise am Abend vorbereitet zu sein.

Am Spätnachmittag Fahrt mit dem Bus durch das bezaubernde steirische Hügelland in die Nähe von Stainz. Am Fuß des Reinischkogels, idyllisch gelegen, empfängt uns das Team des Gasthofs „Jagawirt“. Hier in den gemütlichen Stuben und dem hübschen Gastgarten genießen wir steierische Gastlichkeit in ihrer schönsten und köstlichsten Art. Das traditionsreiche Gasthaus gehört inzwischen zu den Top-10 Höhepunkten in der Steiermark“ (Merian), wo sich der österreichische Bundespräsident und auch andere internationale Prominenz (eben wie wir!) verwöhnen lassen.

Es wäre uns sicher schwer gefallen, diese herausragende kulinarische und gemütliche Lokalität zu verlassen, wenn uns nicht das ebenso herausragende Konzert der STYRIARTER in die barocke Pracht der Stiftskirche von Schloss Stainz gelockt hätte.
Auf dem Programm unter dem Titel „SCHUBERT IN STAINZ“ interpretieren der Arnold Schönberg Chor und der von Nikoloaus Harnonvourt gegründete Concentus Musicus Wien unter der Leitung von Andres Orozco-Estrada (einem Shooting-Star“ der internationalen Dirigentenszene) die Schubert-Messe in As D 678, das Magnificat  in C D 486 sowie das Tantum Ergo D 962 auf allerhöchstem internationalen Niveau.

Das Konzert, das am gleichen Abend auch von 3Sat ausgestrahlt wird, ist für uns ein großes, unvergessliches musikalisches Ereignis und ein markanter Abschluss unseres Festivalbesuchs.

Sonntag, 8. Juli 2018

Nach dem letzten vorzüglichen Frühstück und Check-out, fahren wir zum Stift Rein, ca. 20km nördlich von Graz. Hier gibt es die Führung durch das eindrucksvolle, weltälteste Zisterzienserstift, das eng mit dem Entstehen der Steiermark verbunden ist.
Anschließend Mittagessen als genussvoller „Abschied“ von der Steiermark im schön gestalteten Gastgarten des benachbarten Wirtshaues „Aiola im Schloss“.

Nach wehmütigem Abschied auch von diesem schönen Ort und der Steiermark begeben wir uns zum Flughafen Graz. Hier starten wir am späten Nachmittag mit Lufthansa/Austrian Airlines nach Düsseldorf/Frankfurt und München.

(Text: Rolf R. Arnold, Fotos: Rolf R. Arnold, Roland Stengler)

Sommerfest in der Societät

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 22. Juni 2018

 

Wieder ist ein Jahr vergangen: Das gemeinsame Sommerfest der Societät mit

  • der Deutsch – Britischen Gesellschaft,
  • der Deutsch – Französischen Gesellschaft und
  • der Deutsch – Italienischen Gesellschaft

findet wieder statt! Allerdings ist Einiges neu: Dieses Mal haben wir auch den Deutsch – Amerikanischen Freundeskreis vom Niederrhein dabei: Präsident nebst Gattin haben sich hier eingefunden.

Der Vorsitzende der Societät, Herr Dr. Ralf Tempel, begrüßt herzlich die Damen und Herren aller Gesellschaften und bedankt sich für die hervorragende Vorbereitung des Sommerfestes durch Frau Katharina Tempel, Frau Marlies Greeske und Herrn Dietmar Niechcial. Gerade rechtzeitig fertig geworden ist die neugestaltete Terrasse – sie hat an Attraktivität bedeutend gewonnen, hier gilt der Dank Herrn Dr. Michael Greeske.

Uns erwartet ein hervorragendes Büffet, unser Caterer Klaus Hobohm und sein Team haben ein Feuerwerk an verschiedenen Köstlichkeiten auf die Tische gezaubert. Es ist Grundlage für beste Stimmung am heutigen Abend – alles klappt perfekt.

Und: „Ein Fest ohne Musik ist wie ein Leben ohne Liebe, ein Sommer ohne Sonne, ein Frühling ohne Vogelgesang, eine Suppe ohne Salz“, das sagt Musiker und Philosoph Joe Kiki aus Lomé, der Hauptstadt Togos. Diesen haben wir heute bei uns zu Gast. Er bringt uns sofort in Stimmung mit den alten, „afrikanischen Volksweisen“. Wir sind hin und weg.

Zwischendurch muss sich der Vorsitzende noch in seinen „Denglish“-Kenntnissen beweisen. „Prof.“ Robert Tonks befragt ihn streng. Allerdings kann sich der Examinierte beweisen und bekommt seinen Hut samt Titel „Master of desaster in denglish“. Selbst die „Queen“ wohnt der Auszeichnung bei.

Beim Speisen genießen wir die gepflegte Unterhaltung, viele stellen fest, dass man sich schon vom letzten Sommerfest her kennt; wir kommen leicht ins Gespräch.

Als Joe Kiki uns nach draußen auf die Terrasse ruft, bekommt die Stimmung unerreichte Höhen. Er und seine beiden Kollegen wissen zu begeistern, niemand kann bei dieser Musik still halten. Ein unbeschreiblicher Abend, alle sind sich einig, ein Sommerfest wie dieses lange nicht erlebt zu haben.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Fahrt nach Südpolen

5.-10. Mai 2018

Wieder einmal eine Reise Richtung Osten, wir sind schon äußerst gespannt. Die Beweggründe, bei dieser Reise dabei zu sein, sind sehr unterschiedlich. Um es vorweg zu nehmen, alle sind hinterher einhellig der Meinung, diese Reise hat sich sehr gelohnt – nie hätten wir gedacht, wie viel Unbekanntes wir erleben durften, wie schön sich gerade die Großstädte Breslau und Krakau entwickelt haben, wie behutsam wiederaufgebaut, saniert und neue Akzente gesetzt wurden und wir trafen durchweg auf freundliche Menschen, die sich ihrer Geschichte, sei es in Schlesien oder Galizien bewusst sind – schlicht lebenswerte Metropolen!

Samstag, 5. Mai 2018

Frühes Aufstehen ist angesagt, unsere Reise startet pünktlich um 06:00 Uhr. Die Anreise nach Breslau verläuft weitgehend störungsfrei, wir fahren durch sehr abwechslungsreiche, frisch erblühte Landschaften, nur von einer kurzen Pause unterbrochen. Kurz nach der polnischen Grenze nehmen wir unseren polnischen Reiseleiter, Herrn Roman Rudy, an Bord und kurz vor Breslau ereilt es uns doch: Totalsperrung der Autobahn. Wir verspäten uns etwas, dafür geht das Check-in im Hotel Monopol in Breslau, der Perle Niederschlesiens, rasend schnell. Es ist ein Luxushotel, die Unterkünfte sind sehr großzügig geschnitten und ein großer Obstkorb (wie auch noch in den Hotels in Krakau und Bautzen) erwartet uns. Kaum ausgepackt, machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Abendessen ins Restaurant „Magdallena“ im Bezirk der „Vier Religionen“. Hier erleben wir eine ausgezeichnete, lokale Küche. Auf dem Rückweg kommen wir gleich nebenan an der restaurierten Synagoge „Zum Weißen Storch“ vorbei, nicht ohne einen, kleinen Zwischenhalt einzulegen.

Sonntag, 6. Mai 2018

Gleich nach dem Aufstehen verschaffen wir uns hoch oben von der Hotel-Terrasse einen Überblick, wo wir uns befinden: In der Breslauer Innenstadt mit Blick auf den 50-geschossigen Sky Tower und die Philharmonie, letztere werden wir am Abend noch aufsuchen.

Direkt vorm Hotel startet der Stadtrundgang. In der Verlängerung des Hotels steht das frühere Kaufhaus Rudolf Petersdorff, zusammen gehören sie zu den Stilikonen der Breslauer Architektur. Gleich gegenüber steht die Oper.

Berühmte Leute gehörten in der Vergangenheit zu den Gästen des Hotels, aber auch in unmittelbarer Nachbarschaft kann man Spuren von ihnen finden. So wohnte gleich nebenan der Quantenphysiker Max Born (einer von neun Breslauer Nobelpreisträgern). Der nächste Blick fällt auf die Philharmonie, die in einen großzügig gestalteten, offenen Platz eingebettet wurde. Weiter geht’s vorbei am Medaillen Museum hinüber zum Marktplatz, einem der schönsten Plätze Europas. Der mittelalterliche Platz wird auch „Großer Ring“ oder einfach nur „Der Ring“ genannt. Hier gibt es farbenprächtige Gebäude, im Stile des 16. Jahrhunderts restauriert. Die prächtigen Bürgerhäuser sind nicht im 2. Weltkrieg zerstört worden. So finden wir hier das Bürgerhaus „Unter Greifen“, das größte am Ring und das Haus „Zu Sieben Kurfürsten“, welches mit fantastischen Malereien verziert ist.

Im Zentrum steht das prachtvolle Rathaus mit der eindrucksvollen Fassade in einer interessanten Mischung aus Gotik und Renaissance. An der linken Seite steht die Elisabethkirche, vollständig aus Backsteinen erbaut. Herausstechend ist der Erker an der Breitseite des Hauses, der unten noch den Eingang zur ältesten Brauerei und Ausschank des Landes beherbergte. Auf der Schmalseite rechts davon finden wir die beeindruckende astronomische Uhr und davor (rekonstruiert) den mittelalterlichen Pranger.

Auch hier treffen wir Immer wieder auf kleine Gnome. Sie stammen von Graffiti aus kommunistischer Zeit und fanden dann Verwendung bei Aktionen der „Orange Alternative“, die das bestehende System friedlich lächerlich machte. Nach dem Fall der Mauer waren die Zwerge bis August 2005 in Vergessenheit geraten, als der Breslauer Bildhauer Tomasz Moczek die ersten fünf Zwerge aufstellte, monatlich kommen neue hinzu. Sie zu einem festen Bestandteil des städtischen Raums und zu einem sozialen Phänomen geworden.

Ab dem 13. Jahrhundert waren die deutschen Siedler die stärkste Bevölkerungsgruppe in der Region. Sie halfen, die Stadt nach dem Durchmarsch der Hunnen wiederaufzubauen und in ein blühendes Handelszentrum zu verwandeln. In den nachfolgenden Jahrhunderten wuchs Breslau weiter, abwechselnd unter Böhmischer und Habsburger Herrschaft. Schließlich eroberte der Preuße Friedrich II 1741 Schlesien mit der Folge, dass Breslau die nächsten 200 Jahre zunehmend deutscher wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wurden Polen aus den Gebieten um Lemberg herum in die menschenleere Stadt umgesiedelt. Sie mussten ihre Heimat verlassen, da dieses Gebiet der Sowjetunion zugesprochen wurde. Diese Polen bildeten nur rund 10% der neuen Einwohnerschaft, allerdings saßen sie an den wichtigen Stellen in Stadt und Wirtschaft, so dass Neuankömmlinge den Eindruck bekamen, dass fast alle hier aus Lemberg stammten.

Nach Breslau kamen aber all die Jahrhunderte vorher schon Gelehrte, Architekten, Künstler, um hier zu arbeiten. Überhaupt kann man den Eindruck gewinnen, dass Europa schon im frühen Mittelalter hier gelebt wurde.

Auf dem Weg zur Elisabethenkirche haben wir den schönsten Zugang durch einen Torweg mit zwei verbundene kleine, altruistische Barockhäuser, die im Volksmund als „Hänsel und Gretel“ bezeichnet werden. Dahinter kommen wir noch an den alten Fleischbänken, den festen Verkaufsständen der Fleischerzunft, vorbei.  Tierskulpturen verdeutlichen das eindrücklich.

Aber jetzt kommen wir zum Höhepunkt, der Aula Leopoldina, einen der größten Barocksäle Europas. Er wird heute für Konzerte und offizielle, jährlich stattfindende Zeremonien, z. B. für Immatrikulationen, genutzt. Gleich neben (und ein Stock tiefer) finden wir den Konzertsaal Oratorium Marianum nach langwierigen Restaurierungsarbeiten wieder zugänglich. Dessen Deckengewölbe erstrahlen in frischen, alten Farben.

Wir setzen uns kurz in den Bus – als Zwischenerholung – und fahren zur Jahrhunderthalle. Sie ist vor über 100 Jahren aus Stahlbeton errichtet worden und weist die weltweit größte, freitragende Kuppel auf. Zusammen mit der vor dem Haupteingang der Halle aufgestellten Iglica, einer ca. 100 m hohen Nadel, zählt sie zu den Wahrzeichen der Stadt. Nach der Besichtigung treffen wir uns auf ein Glas Sekt auf der Dachterrasse der Jahrhunderthalle mit Panoramablick auf die Wasserspiele. Das tut richtig gut!

Aber gleich darauf fahren wir in kurzer Fahrt hinüber zur Dom Insel. Wir halten direkt vor der katholischen Kirche, gegenüber St. Maria auf dem Sande, gehen an St. Peter und Paul und der Doppelkirche zum Hl. Kreuz mit dem Denkmal des heiligen Johannes von Nepomuk vorbei in Richtung Breslauer Dom – der gotischen Kathedrale Johannes des Täufers. Sie überragt alles und ist die wichtigste Kirche ganz Schlesiens.

Die Zeit ist weit fortgeschritten und wir eilen zum frühen Abendessen ins Restaurant „Jadka“. Hier empfängt uns eine gastliche Atmosphäre, wir kommen ganz zur Ruhe und erholen uns von dem interessanten Programm. Wir entspannen hier so sehr, dass wir den nächsten Programmpunkt fast aus dem Auge verlieren: Besuch der Philharmonie. Auf uns wartet der heitere Paganini. Im großen Saal erleben wir das Westside Symphonieorchester – einfach großartig!

Nach dem Konzert streben wir dem Monopol zu, nur ein paar Schritte entfernt. Den Abend lassen wir auf der Dachterrasse ausklingen.

Montag, 7. Mai 2018

Heute fahren wir nach Krakau. Dabei werden wir einen Zwischenhalt in Tschenstochau einlegen, mit Führung im Kloster „Heller Berg“ (Jasna Góra), einen der bedeutendsten Wallfahrtsorte der römisch-katholischen Kirche und dem wichtigsten in Polen. Die Paulinermönchen haben es auf dem Hügel gegründet und betreuen es bis heute. Im Zentrum des Interesses steht die „Schwarze Madonna“, das wertvollste Nationalheiligtum und die Königin Polens. Die Kirche ist schwer befestigt und über die Zeiten immer weiter ausgebaut worden – es ist ein heterogener, großer Komplex.

Wir werden von der Mutter Oberin empfangen. Sie ist eine sehr resolute und dabei liebevoll agierende Führerin für die nächsten Stunden. Wir haben Glück und streben sogleich der Basilika Mariä Himmelfahrt zu, es ist die Zeit, an der das Heiligtum enthüllt wird. Wir lassen uns durch die Menge der Gläubigen schieben. Direkt vor der Ikone steht eine Gruppe Kinder, die gerade ihre Kommunion feiern.

Auf dem Weg nach draußen gelangen wir durch die Kapelle des Herzens des Herrn Jesus, die nicht weniger großzügig ausgestattet ist. Über den Innenhof gehen wir auf die äußeren Festungsanlagen und dann direkt in die Schatzkammer.

Beeindruckt steigen wir wieder in den Bus und fahren nach Krakau. Kurzes einquartieren im „Grand Ascot“ inmitten der Stadt, dann machen wir uns schon auf den Weg zum Abendessen ins Restaurant „Szara Gęś“, vorbei an den Tuchhallen, dem Handelszentrum aus der Renaissance, im Hintergrund die Türme der Marienkirche und dicht entlang des freistehenden Rathausturms. Schon treten wir ein in große Hallen. Für uns ist ein Extraraum reserviert, wir sind für uns. Essen, Trinken und Service sind 1a. Wir lehnen uns zurück und lassen die vielen Eindrücke einwirken. Wir verweilen noch lange, ehe wir den 5-minütigen Rückweg ins Hotel antreten. Dort nehmen einige noch einen weiteren guten Tropfen in der Hotelbar.

Dienstag, 8. Mai 2018

Heute steht wieder ein schön anstrengender Tag bevor: Die Stadtbesichtigung lockt – mit einer lokalen Stadtführerin.

Die alte Königsstadt ist über 1.000 Jahre alt, das kann man allerorten noch erahnen. Krakau wurde nie durch Kriege zerstört, und so kann man rund um den Ring, dem Marktplatz, zahlreiche Bauwerke der Gotik, der Renaissance, des Barock und späterer Epochen der Kunstgeschichte bewundern. Hier ist ihr Antlitz in verschwenderische Schönheit mit Restaurants, Cafés und Jazzkneipen erhalten bzw. wieder restauriert worden. Und Krakau wird immer noch als heimliche Hauptstadt Polens bezeichnet.

Wir starten im Jüdischen Viertel Kazimierz. Hier findet man eine Kneipendichte, die es so in ganz Polen nicht gibt. Am Abend werden wir uns davon überzeugen.

Ausgangspunkt ist die Breite Straße. Ein ungewöhnlicher Ort, wo das Herz des jüdischen Kazimierz schlägt. Gleich am Anfang haben wir einen Blick auf die Remuh Synagoge mit dem alten Friedhof, gewidmet dem Rabbi Moses Isserle alias Remuh, der hier predigte und auf dem nebenan liegenden Friedhof beigesetzt wurde. Wir ziehen durch die alten Straßen, vorbei an der Isaak Synagoge gleich gegenüber einem Café, wo jeder Straßentisch eine alte Nähmaschine aufweist, zum nächsten Ziel, dem „Neuen Platz“ mit dem 1900 fertiggestellte Rundbau, dem ehemaligen, jüdischen Schlachthaus „Okrąglak“, wo man noch heute kleine Baguettes kaufen kann. Der besteht aus der inneren Halle und einem zwölfeckigen Ring. 1927 zog in einen Teil der Rotunde ein koscheres Geflügelschlachthaus ein.

Weiter geht’s durch malerische Gassen, die für den Hollywood-Film „Schindler’s Liste“ als Kulisse genutzt wurden. Auch eine Holzsynagoge suchen wir auf, wobei der Hauseingang einen Meter tiefer liegt.

Zum Schluss dann doch eine kleine Rast an einem der vielen Cafés in der Breiten Straße in unmittelbarer Nähe zur alten Synagoge.

Nun geht’s hinüber zur ehemaligen Residenz auf dem Wawelhügel mit Schloss und Kathedrale, wo die meisten der Könige Polens sowie zahlreiche Persönlichkeiten von herausragender historischer Bedeutung begraben sind. Das heterogene Erscheinungsbild entstand erst nach dem Mittelalter, als der Kathedrale mehrere Kapellen hinzugefügt wurden.

Nun sind wir doch der Meinung, dass wir uns eine ausgedehnte Mittagspause verdient haben. Da taucht am „Ring“ das königliche Restaurant „Wierzynek“ auf. Nach endlosen Treppenläufen gelangen wir in einen kleinen Konzertsaal und erleben ein wunderbares, exklusives Chopin-Konzert. Was für eine Überraschung! Nach dem geistigen Genuss erlangen wir auch noch einen kulinarischen, es gibt einen wirklich guten Kaffee und leckeren Kuchen – Entspannung pur und die Lebensgeister erwachen wieder. Von hier oben haben wir einen hervorragenden Blick auf den Hauptmarkt samt Marienkirche.

Sie überragt den Marktplatz; von ihrem Turm ertönt zu jeder vollen Stunde eine Melodie. Ein Feuerwehrmann erinnert an den tapferen Turmbläser, der 1241 die Bürger der Stadt vor den herannahenden Mongolen warnen wollte. Noch während er blies traf ihn ein tödlicher Pfeil. Das plötzliche Abrechen der Melodie symbolisiert den tödlichen Treffer. Das schauen wir uns natürlich von außen und innen an.

Nun „untersuchen“ wir auch noch die alten Tuchhallen, einige Einkäufe werden getätigt. In unmittelbarer Nähe liegt die Universität, die zweitälteste Europas; sie wurde 1364 gegründet. Nur die Prager Universität ist älter.  Der berühmteste Student der Krakauer Universität war von 1491 bis 1495 Kopernikus.

Nun aber schnell die paar Meter zurück zum Hotel und sich erfrischen für den nun kommenden Abend. Es geht zurück  zum Jüdischen Viertel Kazimierz. Wir erleben ein Abendessen mit einem Streifzug durch die jüdische Küche und Klezmermusik im Restaurant „Klezmer Hois“. „Bei mir bist du scheen“ werden wir in Erinnerung behalten. Ein wirklich phantastischer Abend, den wir an der Hotelbar ausklingen lassen.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Früh fahren wir von Krakau ab, in der Höhe von Breslau verlässt uns Roman, der uns Schlesien und Krakau so nahe gebracht hat. Wir fahren weiter nach Bautzen. Wir checken im Best Western ein um kurz darauf für den nächsten Höhepunkt präpariert zu sein.

Wir haben einen Besichtigungstermin bei  der Firma „Eule Orgelbau“.  Herr Eule hat vor acht Jahren, als die Orgel in der Mercatorhalle intoniert wurde, dazu eingeladen; nun sind wir da. Voller Herzblut schildert er uns den Weg, von der Holz-, Kupfer- und Zinn- Beschaffung bis zum Zusammenbau der Orgel, den langen Weg von der Planung bis zur Realisierung. Und er zeigt uns die Fertigungsschritte in seiner Werkstatt. Wieder einmal auf dieser Reise sind wir stark beeindruckt von den Ideen und Schaffenskraft der Menschen.

Anschließend unternehmen wir einen geführten Stadtgang, beginnend mit dem Blick auf die „Alte Wasserkunst“. Wir nehmen in Augenschein den Reichenturm, am Beginn der Reichenstraße, das Rathaus, den Dom St. Petri – eine Simultankirche – , die Ortenburg, den Schülerturm und zurück über Rathaus und Reichenturm zum Hotel. Hier haben wir ein sorbisch-sächsisches Abendessen.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Nach dem Frühstück treten wir die Heimreise an. Es ist eine sehr kurzweilige Fahrt, ausführlich lassen wir das Erlebte Revue passieren. Es war alles sehr beeindruckend und manch ein Vorurteil konnte über Bord geworfen werden. Fazit: Europa gibt es schon sehr lange und wir leben mittendrin.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske & Dr. Ralf Tempel)