Brunei Darussalam – „Hort des Friedens“?

Vortrag von Herrn Hans-Jürgen Reitzig, Berater des Sultans von Brunei

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 15. Januar 2017Drucken

Wir starten in das Neue Jahr 2017!  Einiges dieses Jahr ist neu und einiges ist gleichzeitig bewährt.

Das ist schon bewährt: Wir fangen an mit einem Thema aus Fernost. Dieses Mal: „Brunei Darussalam – „Hort des Friedens“?“. Herr Hans-Jürgen Reitzig wird uns Einiges zu Gehör bringen vom Sultanat auf der Insel Borneo im Südchinesischen Meer.

Aber einiges ist neu: Wir haben einen neuen Caterer, auf den wir alle schon sehr gespannt sind: Feinkost Kersten, seit Generationen ansässig in Duisburg. Gemeinsam haben wir viel  vor:

  • Das gewohnt hohe kulinarische Niveau vielleicht noch etwas erhöhen
  • Viele neue Veranstaltungen, um die Societät wieder zu einem Mittelpunkt des Duisburger Lebens zu machen

Eines gleich vorweg: Wir werden eine Feinschmecker-Reise auf höchstem Niveau erleben – nach dem Vortrag.

Bewährt und gleichzeitig neu: Dieses Jahr haben wir ein überwältigendes Veranstaltungsprogramm mit vier Reisen, (Hamburg, Champagne, Wien & Bratislava, Bremen & Worpswede), Vorträgen zu Politik (Brunei, de Gaulle, Kirchen, Medien) und Wissenschaft (Herz & Seele, E-Mobilität, Zoo, Ernährungsgewohnheiten) sowie Geselligkeit (Fisch- & Spargelessen, Sommerfest, Weihnachts- & Silvesterfeier).

Nun zum ersten Teil: Herr Hans-Jürgen Reitzig von 1993 bis 2004 Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK zu Duisburg hat anschließend eine zweite berufliche Karriere gestartet. Seit nunmehr fünf Jahren ist er Berater der Regierung von Brunei; er hilft dort, technische Ausbildung nach deutschem Modell einzuführen.

Er beschreibt die Lage und die Historie des Sultanats; ab dem 18. Jh. begann ein zwischenzeitlicher Abschwung, 1847 kam es unter englischen Einfluss, wurde 1888 sogar britisches Protektorat und erlangte erst 1984 die Unabhängigkeit, als islamische Monarchie.

Das Land gehört mit 400.000 Einwohnern eher zu den ganz kleinen aber mit 40T US$ pro Kopf Einkommen zu den fünf reichsten Ländern der Erde. Bildungs- und Gesundheitswesen stehen jedem unentgeltlich zur Verfügung, auch die Universität. Die Bürger zahlen keine Steuern, es existiert eine Körperschaftssteuer von unter 20%. Der Reichtum beruht auf Öl- und Gasförderung, vor allem Off-shore. Er stellt die finanzielle Basis dar. Mit einer Öl-Förderung von 800.000T Barrel / Tag und einer Gasförderung von 400.000T Barrel / Tag geht das meiste als Flüssiggas (LNG)-Export nach Südkorea und Japan. Diese Einnahmen ermöglichen die Wohltaten sowohl für die Bevölkerung als auch eine gezielte Wirtschaftsförderung mit Schwerpunkt auf „grüne“ Technologien. Und es werden auch bemerkenswerte Naturschutzprojekte aufgelegt, wie das „Heart of Borneo“.

Beeindruckende Bilder auch von der Hauptstadt Bandar Seri Begawan, direkt am Fluss gelegen, welcher bald darauf im Südchinesischem Meer mündet. Zu den herausragenden Bauten gehören sicher der Palast des Sultans von Brunei, der Istana Nurul Iman, der mit mehr als 1.800 Zimmern und 200.000 Quadratmeter überbauter Fläche als größter Palast der Welt gilt und die Omar-Ali-Saifuddin-Moschee, beides erbaut vom Sultan, einmal der amtierende und das andere Mal von dessen Vorgänger im Amt, seinem Vater. Nahe letzterer Moschee befindet sich das „Wasserdorf“, zu beiden Seiten des Flusses erbaute, auf Holzpfähle im Wasser stehende, Holzhütten, mit eigenen Schulen und kleineren Moscheen für über die Hälfte der Hauptstadtbewohner. Auch die, für diese Leute, errichteten (Beton-) Neubauten können die Menschen nicht von hier weglocken.

Zum Schluss bekommen wir noch ein paar Anmerkungen zum Einführen der Scharia zu Gehör. Es gilt bis heute noch das englische Rechtssystem, aber es wird in mehreren Schritten die Scharia eingeführt, schließlich ist das Sultanat eine islamische Monarchie – allerdings deutlich moderater als in den Golfstaaten heutigen Zuschnitts. Ja, Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit wird mit Auspeitschen, schwerer Raub wird mit Verlust einer Hand geahndet und Ehebruch mit Steinigung. Allerdings sitzen Frauen auch in hohen Regierungsämtern, dürfen Auto fahren – dennoch weit entfernt von unseren heutigen, westeuropäischen Vorstellungen. Es ist wohl eher der Gesamtsituation in Südostasien geschuldet und soll möglichen Fundamentalisten den Wind aus den Segeln nehmen.

Alles in allem: Brunei Darussalam – „Hort des Friedens“ unter besonderen Umständen.

Ein hochinteressanter, spannender und gleichzeitig unterhaltender Vortrag von Herrn Reitzig über die Gegebenheiten und das Potential eines Zwergstaates, der zukünftig eine beträchtliche Rolle innerhalb der ASEAN Wirtschaftsordnung (600 Mio. Menschen umfassend) spielen wird.

Das Essen im Anschluss ist ebenbürtig. Feinkost Kersten glänzt mit einem Potpourri von kleinen asiatischen Köstlichkeiten u.a. mit Sushi, Carpaccio vom frischen Lachs, Pflaumen im Speckmantel, Frühlingsröllchen, marinierte Shrimps usw. und ausgewachsener Hähnchenbrust mit frischem Kokosblattspinat und Zander in Zitronengras.

Das Versprechens des Vorsitzenden, auch kulinarisch den Pegel in der Societät noch etwas anzuheben, ist voll aufgegangen: Wir haben eine sowohl bildhafte als auch kulinarische Reise auf höchstem Niveau erleben dürfen.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Silvesterfeier

DruckenIn den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 31. Dezember 2016

Ein Jahr geht wieder zur Neige, wir feiern mit dem traditionellen Silvesteressen unsere letzte Veranstaltung für dieses Jahr. Heute ist alles etwas anders. Wir sitzen im Kaminbereich, lassen uns von dem lodernden Feuer gefangen nehmen und werden vom Vorsitzenden, Herrn Dr. Ralf Tempel, eingestimmt.

Ein Auszug aus der alten Festschrift „150 Jahre Societät“ gibt uns da näheren Aufschluss: Die Silvesterveranstaltungen um das Jahr 1835 waren auch gleichzeitig Jahreshauptversammlungen, sie wurden mit einem großen Fischessen gefeiert, aber auch nur, wenn der Rhein nicht zugefroren und die Fische deshalb herbei geschafft werden konnten.

Aber nun geht’s zum großen Essen. Wir tun uns ausgiebig und genießerisch gütlich am reichlich vorhandenem gutem Essen und Trinken. Heitere Gespräche in einer sehr angenehmen Atmosphäre vermitteln uns beste Laune.

Im Laufe des Abends treten immer wieder einzelne Mitglieder an das Mikrofon und geben eine passende Geschichte zum Besten.

Frau Christel Hornschu: „Zwischen den Jahren“. Bis zur Kalenderreform durch Papst Gregor XIII war der Beginn des neuen Jahres in weiten Teilen Europas der 6. Januar. Das Jahresende wurde dagegen traditionell am 24. Dezember begangen, so dass die Zeit bis Beginn des nächsten Jahres „zwischen den Jahren“ lag. In dieser Zeit durften nur notwendige Arbeiten verrichtet werden, aus Angst vor Unheil; sie galt als Zeit der Dämonen.

Herr Dr. Otto Hornschu: Vier Gedichte von Hermann Lausberg, u.a. mit Frau Möllmann und der Barbesuch und über die Unannehmlichkeiten, die ein Jäger bei der Treibjagd über sich ergehen lässt

Herr Dr. Michael Greeske: „Gebet einer Äbtissin“, in dem der Herr angerufen wird für Tugenden, die noch heute aktuell sind und die – so sie denn in ausreichendem Maße bei der damaligen wie auch der heutigen Menschheit vorhanden wären – das Zusammenleben enorm vereinfachen würde.

Ein weiterer Beitrag befasst sich mit „Dem Kuss in all seinen Variationen“

Herr Wolfgang Schwarzer: Zur Erfindung der Schlagsahne in Chantilly und wie sich deren Erfinder und Ausrichter des Festmahls zu Ehren Ludwig XIV am dritten Tage selbst mit dem Degen richtete, als der georderte Fisch zum Hauptgang nicht eintraf – da hat es aber der gegenwärtige Vorsitzende gut, dass die Fische heute pünktlich geliefert wurden!

Frau Katharina Tempel: Ein Rezeptvorschlag für ein ganzes Jahr von Goethe’s Mutter Catharina Elisabeth ….

Pünktlich zum Neuen Jahr versammeln wir uns auf der Terrasse mit einem Gläschen in der Hand und genießen das Feuerwerk über Duisburg.

Ein unvergesslicher Abend und alle sind sich einig: Diese Tradition sollte wieder zum Leben erweckt werden. Dieses Jahr werden wir wieder Silvester in der Societät feiern.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske & Dr. Ralf Tempel)

Festliche Weihnachtsfeier

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 10. Dezember 2016Drucken

Die Weihnachtsfeier ist immer der Höhepunkt im Jahr. Die Räumlichkeiten sind festlich geschmückt, wir werden eingestimmt schon am Eingang, mit einem wunderschönen Baum, einem Kaminfeuer, mit Glühwein und Plätzchen. Dafür danken wir der Familie Borgards & Team recht herzlich. Schnell stellt sich eine entspannte und fröhliche Stimmung bei allen ein. Ebenso präsentieren sich die Anwesenden – insbesondere die Damen – ganz außerordentlich in Gala.

Der Vorsitzende, Herr Dr. Ralf Tempel, hält eine kurze Rückschau zu den Veranstaltungen in diesem Jahr. Wir können auf ein erfolgreiches Jahr zurück blicken, sowohl auf die 16 Veranstaltungen, als auch die sehr gute Resonanz, die diese gefunden haben.

  • Reisen (Beschwipster Main, Berlin)
  • Politik (Nordkorea, Internationaler Terrorismus)
  • Wissenschaft (Magnetismus, Zoo, Anästhesie)
  • Geschichte (Zwei geschenkte Leben, Rundgang Kaiserberg)
  • Geselligkeit (Fisch- & Spargelessen, Sommerfest, Weihnachtsfeier)

Unser Veranstaltungswart, Frau Katharina Tempel, hat für heute einen außergewöhnlichen Unterhaltungsteil zusammengestellt; er wird dieses Jahr komplett durch unsere Mitglieder selbst gestaltet. Es unterhalten uns:

  • Frau Lore Rabe (Klavier) & Herr Dr. Andreas Felsner (Cello) treten gemeinsam auf mit Stücken von u.a. Händel, Schubert und Mendelssohn-Bartholdy,
  • Frau Loni Kreuder trägt ein altes, niederrheinisches Weihnachtsgedicht,
  • unser „Engelchen“, Frau Ilse Neuber mehrere berührende Weihnachtsgeschichten,
  • Frau Gerda Wilms einen Weihnachtswunsch: Ein artiges Kind,
  • Herr Armin Stemm den satirischen Jahresrückblick und
  • Frau Trude Ernst ein sentimentales Gedicht vor.

Und zwischendurch singen wir traditionell und sehr innig einige Weihnachtslieder.

Anschließend wird der Abend gekrönt mit einem sehr guten Essen und ausgiebigen Gesprächen.

Welch‘ ein wundervoller Abend in einer familiären Atmosphäre!

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Anästhesie – O, Schmerz, lass nach!

DruckenMartinsgans-Essen und Vortrag von Herrn Dr. Michael Greeske

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 11. November 2016

Martinitag – traditionell bedeutet es bei uns die Einladung zum Gänseessen. Wir kommen gern. Die Dekoration stimmt uns entsprechend ein und schnell sind wir zu 100% dabei: Gemeinsam singen wir das Martinslied.

Bevor wir aber zum Essen schreiten, wünscht noch ein Mitglied, Frau Christel Hornschu, unser Gehör. Passend zum heutigen Abend trägt sie Mythisches, Historisches und Traditionelles zum Gänseessen vor. Dann tritt noch ihr Mann, Herr Dr. Otto Hornschu, hinzu und beide rezitieren die Gänsecantate (Gi ga gack) von Hoffmann von Fallersleben. Diese Überraschung ist gelungen!

Aber jetzt zum Essen, da haben wir uns ein ganzes Jahr darauf gefreut, natürlich gibt es Gans satt. Aber auch Möhren untereinander ist für einige von uns das „Non plus ultra“. Einigen von uns schmeckt der anschließend gereichte Brand ganz besonders gut.

Jetzt ist es Zeit für den Vortrag. Herr Dr. Michael Greeske wird von unserem Vorsitzenden, Herrn Dr. Ralf Tempel, vorgestellt – durchaus kurz und launig, ist doch Dr. Greeske ein langjähriges Mitglied, das in den verschiedensten Funktionen tätig war und ist.

„Anästhesie – O, Schmerz, lass nach!“ Dieser Wunsch ist bestimmt schon jeden einmal durch den Kopf geschossen. Dr. Greeske hält einen sehr detaillierten und richtig amüsanten Vortrag.

Zunächst gilt es zu unterscheiden zwischen Schmerz- und Schlafmittel. Erfahrungen dazu reichen weit zurück. Schon 2.250 v. Chr. ist das Bilsenkraut (verwandt mit Tollkirsche und Stechapfel) als Rauschmittel bekannt; es fand auch in Homers Odyssee als Mittel gegen Trauer Erwähnung. Die Skyten beschrieben die Inhalation von Haschisch. 225 kam die Kunde aus China, dass OPs unter Zuhilfenahme von Haschisch und Opium vorgenommen werden. Um 1100 wird der Narkosebegriff eingeführt und um 1300 wird aktives Erwecken aus der Narkose durch Riechfläschchen und Gebrauch narkotischer Mittel beschrieben. Im 14. Jh. veröffentlichte Guy de Chauliac sein Lehrbuch, die „Chirurgia Magna“ und im 16. Jh. Hans von Gersdorff sein „Feldtbüch der Wundartzney“.

Paracelsius mahnte eine ganzheitliche Betrachtung an und prägte die These: „Die Menge macht das Gift“. Äther wird immer wieder beschrieben, aber man kann noch nichts Rechtes anfangen. Es gibt illustre Parties im Ätherrausch, ebenso mit Lachgas; doch auch schon erste Selbstversuche, z.B. in Verbindung mit einer Zahnextraktion: „Der Schmerz hat sich dem Ätherdunst beugen müssen“. Im 19 Jh. wurden dann viele Stoffe hinsichtlich Schmerzmittel untersucht, dabei setzte sich Äther gegenüber Chloroform (9 Tote bei 50.000 Behandlungen) durch.

Es folgt sehr viel technisches Detailwissen zu heutigen Narkosemitteln, wobei Propofol – nahezu ohne Nebenwirkung! – hervorzuheben ist.

Dr. Greeske zeigt uns noch eine Reihe von Hilfsmitteln, die in der heutigen Anästhesie Anwendung finden. Ebenso stellt er klar, dass der Stand des Anästhesisten oberhalb des Chirurgen anzuordnen ist, da er viel mehr medizinisches Wissen benötigt als dieser.

Eine tolle Veranstaltung, wir fühlen uns unheimlich wohl. Welch ein interessanter Abend!

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske, Dr. Ralf Tempel)