Sprachgeschichte des Niederrheins

DruckenVortrag von Herrn Dr. Georg Cornelissen

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 1. September 2016

Wir haben schönstes Sommerwetter und einen besonders schönen Stau auf der A40 bei Neuenkamp – einige unserer Mitglieder und unser Caterer stecken mitten drin. Aber einen ordentlichen Begrüßungsschluck genehmigen wir uns schon einmal.

Dieses bedeutet, wir haben ein wenig Zeit, uns etwas tiefer auf das heutige Thema, Sprachgeschichte am Niederrhein, einzustimmen mit Fragen: Wo kommen wir eigentlich her? Wo sind unsere Wurzeln? Wie entstanden unsere Namen?

Von dem wir diese und viele andere Antworten erwarten, ist Herr Dr. Georg Cornelissen. Als Leiter der Abteilung Sprachforschung ist er beim „Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte“ im Landschaftsverband Rheinland in Bonn tätig, dieses bedingt eine starke Reisetätigkeit; zum einen, um an adäquate Schriftstücke in den weit verstreut liegenden Stadt- und Kirchenarchiven zu gelangen und zum anderen, um sich ein persönliches Bild von Land und Leute zu machen.

Doch zunächst steht unser Essen, bestehend aus lauter leckeren Rheinischen Köstlichkeiten, an. Es ist reichhaltig gedeckt und wir finden – neben vielen anderen – Rheinischen Sauerbraten mit Honigkuchen, Prümkes, Rübenkraut, Kartoffelklöße und Rotkohl, Duisburger dicke Bohnen mit Kottelet, kleine Reibekuchen mit Räucherlachs, kleine Frikadellen, gekochtes Rindfleisch mit Meerrettich, dicken Reis mit Pflaumen u.v.a.m. Die Familie Borgards hat wieder überragendes, ausdrücklich sei hier die geschmackvolle Dekoration mitgenannt, auf die Beine gestellt.

Doch nun zum heutigen Thema, unser Gast ist einer von bundesweit deutlich unter 100 Dialektologen mit der räumlichen Begrenzung auf das Gebiet des Niederrheins. Er kommt humorvoll, trocken und direkt daher, er spricht Niederrhein-Platt. Diese Sprache – so befindet er – gehört sprachhistorisch 10-mal eher zum Niederländischen als zum Deutschen. Aber wer soll das schon so genau auseinanderhalten, da wir im deutsch-niederländisch Dialektkontinuum, von Bozen bis Amsterdam, leben. Innerhalb dieses Kontinuums lassen sich sprachlich keine eindeutigen Grenzen ziehen, man versteht sich mit den Bewohnern der Nachbarorte noch ohne größere Probleme und es wird schwieriger, je weiter weg der Gesprächspartner herkommt.

Dr. Cornelissen hat seine Vortragsunterlagen für jeden von uns ausgedruckt. Nun können wir den heutigen Abend sogar schwarz auf weiß verfolgen und anschließend nach Hause tragen, vielen Dank dafür!

Aber jetzt zum ersten Beispiel, der Name Buschmann. Busch soweit ist klar: Wald. Mann deutet auf einen Bauern hin. Also der Besitzer des Gehöfts am Wald. Interessant ist hier, dass die Bäuerin anfänglich Buschfrau genannt wurde, ebenso der Sohn: Buschsohn. Später dann wandelt sich das zu Buschmanns Frau, respektive Buschmanns Sohn. Das konnte dann auch schon dazu führen, dass ein eingeheirateter Mann, dann nicht mehr z.B. Jensen, sondern ab der Hochzeit dann Buschmann hieß. So sollte man also nicht meinen, wenn man seinen Namen im 15. Jahrhundert erwähnt findet, dann unbedingt mit dieser Person auch verwandt zu sein. Gerade die Namen waren immer wieder einer Wandlung unterzogen. Also, Namensforschung bleibt schwierig!

Weitere Beispiele für die Verbindung örtlicher Gegebenheiten und dem Eigener „Mann“ sind: Brinkmann, Feldmann, Hülsmann, Bruckmann/Brockmann, Hengstmann, Kampmann, Brüggemann, Heymann, Steegmanns/Steegmann, Boschmann/Bosmann, Hofmann/Hoffmann, Stratmann, Hövelmann und Winkelmann.

Aber wie sprachen die Leute vor 200 oder 500 Jahren? So genau weiß man das nicht, wer kann sich schon aktuell mit jemanden aus der Zeit unterhalten. Aber es gab die Schriftsprache und da fallen von Ort zu Ort die Unterschiede schon auf. Beispiele gefällig? Aus den Dialektfragebögen von Georg Wenker (um 1885):

  • Walsum    Wat sette dor van Vögelkes bowe op dat Mürke?
  • Duisburg   Wat sette(n) doför Fögelkes bowen op dat Müerken ?
  • Baerl         Wat setten do von Vogelsches bowen op die Mürkes?
  • Huckingen Wat sette do van Vögelsches bowe ob dem Mürke.

Die Zuwanderung bedrängte dann die Dialekte  schon sehr, es gab die Hochsprache als Standard, die alle verstehen konnten und damit sank der Anteil der einheimischen Dialekte. Nur wenige versuchen die Dialekte hochzuhalten. Dr. Cornelissen weiß, dass bei vielen Menschen das Herz an der Sprache hängt. Über Sprache identifizieren wir uns mit dem Ort, dem Raum und Menschen, die uns verbunden sind.

Welch interessanter Abend!

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dietmar Niechcial)

Zoo-Führung

mit Herrn Direktor Achim WinklerDrucken

Zoo Duisburg / In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 11. August 2016

Wie jedes Jahr gibt es seitens der Societätsmitglieder regen Zuspruch zum avisierten Zoobesuch mit unserem Mitglied, Herrn Direktor Achim Winkler.

Erstmals hat uns hierbei das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht – es regnet! Wir waren schon geneigt, den Rundgang auf eine Fragestunde im Trocknen zu reduzieren – aber ohne unsere Mitglieder, sie wollen den Zoo und seine Bewohner auch mal in feuchter Umgebung kennenlernen.

Gewohnt informativ und schwungvoll führt uns Herr Winkler durch „seinen“ Zoo. Er verweist auf die Bedeutung des Zoos für die Bildung aller, aber auch als Bewahrer vor dem Aussterben bedrohter Arten. Geschickt bindet er uns, die Zuhörer und Zuschauer, durch Fragen ein, so dürfen wir raten wie groß eine Giraffe bei der Geburt sein muss und dass der freie Fall bei einer Stehendgeburt doch immer glimpflich abgeht.

Wir lernen, dass Carotinoide unsere Lebensmittel in den appetitlichen Farben rot, gelb und orange erscheinen lassen – das wissen bei uns natürlich alle, die gern kochen. So kommen u.a. Karotten, Paprika und Aprikosen zu ihrer schönen Farbe wie eben auch die Flamingos im Zoo.

Wir gehen noch in das Elefantenhaus, die drei Damen haben jetzt auch noch das Außengehege des Bullen dazu bekommen, nachdem er letzte Woche nach Wien verlegt worden ist. Die Populationen in Afrika differieren außerordentlich, von fast vom Aussterben bedroht bis „Überbevölkerung“, ersteres hängt teilweise mit Finanzproblemen (Schutz vor Wilderern), letzteres mit falsch verstandenen Tierschutz von europäischen und amerikanischen Ländern (der damit einhergehende Druck auf afrikanische Staaten führt zur wortwörtlichen Verwüstung) zusammen. – Eine Elefanten Dame scheint sich einen Spaß daraus zu machen, Herrn Winkler etwas zu necken. Sie „überreicht“ ihn ein wenig Futter.

Natürlich schauen wir auch bei unserem Flussdelfin vorbei und erfahren vieles über ihr Leben und warum sie sich von ihren Artgenossen im Meer unterscheiden. Sie gehören allerdings keiner aussterbenden Art an, so dass sie eines Tages hier nicht mehr zu sehen sein werden. Ein Tukan scheint ebenfalls sehr interessiert an dem Gesprochenen, als er sich direkt über uns nieder ließ.

Über die Wildkatzen und Luchse gelangen wir zu den Königen der Tiere, den Löwen, die einzige Katzenart, die in einem Rudel lebt. Wir hoffen hier auf ein neues Rudel, denn der Chef „Piefke“ ist nicht mehr.

Nach der Führung gehen wir, gemeinsam mit Herrn Winkler, zu unseren Räumlichkeiten, gleich nebenan. Familie Borgards hat einen kleinen Imbiss angerichtet: Es gibt Spitzkohl-Eintopf mit Frikadelle. Das passt richtig zum Wetter! Dazu schmeckt doch ein Bier hervorragend! Wir sitzen noch lange zusammen.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske & Dr. Ralf Tempel)

Der Ehrenfriedhof am Kaiserberg

Spaziergang mit Frau Dr. Katharina LepperDrucken

Am Kaiserberg, 13. & 27. Juli 2016

Es ist bereits die zweite Führung, die erste fand vor 14 Tagen statt; die Aufteilung in zwei Gruppen erfolgte aufgrund des großen Zuspruchs.

Wir nähern uns dem Ehrenfriedhof vom Zoo her. Der Weg führt sanft bergan. Kurz vor der Kuppe sehen wir linker Hand die später errichtete Umfassung des Ehrenfriedhofs.

Hier, inmitten des Duisburger Waldes, finden wir eine Anlage vor, die aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts stammt. Als die Stadtverordnetenversammlung Duisburgs wenige Wochen nach Kriegsbeginn die Anlage eines Friedhofs für die in Duisburger Lazaretten an ihren Wunden verstorbenen (und einigen wenigen dorthin überführten) Soldaten beschloss, schuf sie ein Monument der Erinnerung, das einen einmaligen Platz in der Gesamtheit der Soldatenfriedhöfe in allen am Krieg beteiligten Nationen einnimmt. Dabei ging man damals davon aus, dass es nur eine geringe Anzahl (ca. 100) von Toten geben würde.

Das Denkmal ist kein monarchistisches Herrscher-Denkmal mehr, im Gegenteil, es tritt uns als neoklassizistisches gegenüber, mit fast nüchtern zu nennende Grabstellen in Reih und Glied.

Im Dezember 1914 wurde die Ruhestätte „In der Stille des Waldes“ eingeweiht; die Vorsondierungen für die darin stehende Denkmalfigur liefen fast parallel, die zu Beginn 1915 in einem Wettbewerb ausgeschrieben wurde – angefragt wurde u.a. Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), der jedoch rasch ausschied. Die Auftragsvergabe erfolgte  Mitte 1915 an Hubert Netzer (1865-1939), dessen Modello (1915) nach dem Krieg in Bronze zur Ausführung und zur Aufstellung gelangte. Die Siegfried-Statue stellt keinen Superhelden dar, er steckt nach gewonnener Schlacht das Schwert in die Scheide. Der Blick richtet sich auf die Gräber der einfachen Soldaten. Der Wald reichte damals bis unmittelbar an das Denkmal heran, aus optischen Gründen wurde noch eine steinerne Pergola im Halbkreis herum installiert.

Wenige später (1922) erfolgte – ohne Ausschreibung – zusätzlich die Aufstellung des „Sitzenden Jünglings“ (1916/17) von Wilhelm Lehmbruck. Dieses war ganz bewusst als Gegenpol zum heroischen Siegfried aufgestellt worden. Aber Lehmbrucks Arbeit galt unter den Nazis als „entartet“. So wurde die Plastik als „Metallspende des deutschen Volkes“ gute zehn Jahre später klassifiziert und vom Kaiserberg entfernt. Sie sollte ins Ausland verkauft werden, nur dieser Handel kam nicht zustande. Letztendlich wurde die Plastik 1944 durch eine Fliegerbombe zerstört.

Weiter geht’s durch den zweiten Zugang in Richtung der Kuppe des Duissernschen Berges, so der Name aus der Vor-Kaiserberg-Zeit, darauf stand das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, ein Reiterstandbild auf hohem Sockel. Nur fand das Denkmal im Zweiten Weltkrieg als oben erwähnte „Metallspende“ Verwendung.

Weiter gilt es noch einen Blick über die großartige Sedan-Wiese zu erhaschen, bevor wir am Teich mit Grotte vorbei Richtung „Lindenwirtin“ hinuntersteigen.

Dort sitzen wir noch lange zusammen und sprechen über das gerade erlebte. Einige unter uns hätten es sich nicht so schön und interessant vorstellen können.

(Fotos & Text: Dr. Ralf Tempel)

Fahrt nach Berlin

mit Konzert der Berliner Philharmoniker in der WaldbühneDrucken

vom 23. bis 27. Juni 2016

Donnerstag, 23. Juni 2016

Diese Reise ist anders als all die anderen vorher: Eine Idee – so leicht dahin gesagt vor einem Jahr – bricht sich bahn: Die Berliner Philharmoniker bei ihrem Abschlusskonzert in der Waldbühne erleben. Nur, solch eine Reise wird nirgends angeboten, also macht sich unser Veranstaltungswart, Frau Katharina Tempel, daran, diese Reise zu planen. Es werden fünf aufregende Tage werden, bei schönstem (heißem) Wetter und fantastischen Erlebnissen. Vielleicht das i-Tüpfelchen aber bietet der Vorsitzende, Herr Dr. Ralf Tempel, als geborener Berliner kennt er sich in der Stadt aus. Man merkt den beiden deutlich an, dass sie von dieser Stadt begeistert sind.

Die  Fahrt nach Berlin vergeht wie im Fluge und wir kommen fast pünktlich in Berlin an. Der Ku’damm öffnet sich vor uns und wir genießen schon mal die gesamten 3.500m das erste Mal im Bus. Am anderen Ende steht unser Lindner Hotel „Am Ku’Damm“; wir übernehmen unsere Zimmer und machen uns kurz frisch, denn anschließend geht es gleich wieder rein in den Bus und unsere Stadtrundfahrt beginnt. Für diesen Zweck haben wir den Berliner Architekten, Herrn Peter Grosch, engagiert. Als Mitglied im Rat für Stadtentwicklung und der Architektenkammer Berlin kennt er sich phantastisch mit der städtebaulichen Substanz aus; er kennt die Gebäude und deren Hintergründe, auch wie beim „Alten“ Fritz gebaut und wie im 13. Jh. aus den beiden Siedlungen links und rechts der Spree (Cölln und Berlin) die Stadt Berlin wurde. Wir sehen uns Charlottenburg an, den Tiergarten, wir fahren vorbei an protzigen (auch Landes-) Botschaften, die meisten natürlich erst nach der Wende errichtet. Im Osten der Stadt sind noch immer alte Mietshäuser zu sehen, sehr oft wieder instand gesetzt und der vielen kleinen Innenhöfe beraubt – so gibt heute deutlich mehr Platz als früher – aber auch mit Ausnahmen bei der Rekonstruktion, eine werden wir uns am Samstagabend näher ansehen.

Am Ende der ersten Stadterkundung ragt unser Ziel steil auf: Das „Andel’s“ mit seiner „SkyKitchen“. Ehrlich, bodenständig und unkompliziert empfiehlt uns unser Sterne-Küchenchef Alexander Koppe ein spannendes Menü, das den vielseitigen Charakter der Hauptstadt nicht besser wiedergeben kann. Wir entdecken die „Moderne Interpretation deutscher Produkte mit einem Touch Globalität“ und „Erleben Berliner Raumgefühl auf dem Teller in Begleitung eines unglaublichen Ausblicks!“

Freitag, 24. Juni 2016

Der Vormittag steht zur freien Verfügung. Viele nutzen die Gelegenheit, den Ku’damm rauf und runter zu bummeln, aber auch der Tauentzien mit dem KaDeWe ist nicht weit.  Noch vor 20 Jahren drohte dieses Gebiet zu Gunsten der neuen, alten Mitte zu veröden. Jetzt boomt es hier wieder, die vielen Neubauten zeugen davon.

Am frühen Nachmittag haben wir einen Termin mit einem Duisburger Bundestagsabgeordneten im Paul-Löbe-Haus, ein Teil des Bandes des Bundes, dazu zählen noch das Bundeskanzleramt und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Dieses Band verbindet symbolisch Ost- und Westteil der Stadt über die Spree hinweg. Leider können wir Herrn Mosblech nicht persönlich sprechen – der EU-Ausstieg der Briten kam völlig unvorbereitet; sein Mitarbeiter, Herr Basten, beantwortet unsere Fragen. Gesehen haben wir Herrn Mosblech dann doch noch von der Zuschauertribüne des Plenarsaales im Reichstag, wie er kurz bei der 2. Lesung zum Anti-Terror-Gesetz vorbeischaute – bis zur Abstimmung am Ende musste er ja nicht bleiben. Anschließend gehen wir noch hoch zur Kuppel, es sind draußen immer noch 36°C im Schatten.

Wir fahren zurück ins Hotel und bereiten uns auf den Abend vor. Zu Fuß gehen wir hinüber ins Europa-Center. Gleich am Eingang finden wir die 13 Meter hohe Uhr der fließenden Zeit vor. Es ist 18:00 Uhr und wir sehen das Wasser / die Zeit durch die Glaskugeln fließen.

Auf der ersten Etage finden wir die Kartoffelkiste, wir stärken uns bei einfachem, aber köstlichen Essen für die Veranstaltung bei den „Stachelschweinen“ im Keller des gleichen Hauses. Wir müssen uns keine Sorgen mehr um die aktuelle politische Weltlage machen. Dagegen gibt es doch etwas, wie auch für alle anderen Leiden dieser Welt! Nur eine kleine „Betäubung“ und wir bekommen nichts mehr mit.

Anschließend lassen wir den Abend im Alt Berliner Biersalon gegenüber unserem Hotel ausklingen.

Samstag, 25. Juni 2016

Heute Morgen betreten wir die Museumsinsel. Diese ist einzigartig: Fünf große, außergewöhnliche Museen auf einer kleinen Insel, einige vor mehr als 150 Jahren einzig für die beherbergten Ausstellungsobjekte errichtet, warten auf uns.

Wir beginnen im Neuen Museum, startend mit unserem sehr versierten Führer Mohamed. Im Keller machen wir uns mit dem Begräbnisritus und den vielen Göttern im Alten Ägypten vertraut. Jahrtausende lang ändert sich daran nur wenig. Doch Echnaton veränderte das Leben der Ägypter grundlegend, es sollte nur noch einen (Sonnen-) Gott geben – wie wir heute wissen nur vorübergehend. Allerdings ist seine Ehefrau viel bekannter: „Die Schöne“ oder Nofretete – deren Büste bildet den Höhepunkt des Hauses.

Anschließend haben wir die Möglichkeit noch andere Museen auf der Insel anzuschauen; einige begeben sich ins Alte Museum, andere in die Alte Nationalgalerie um da die Werke des Klassizismus, der Romantik, des Biedermeier, des Impressionismus zu betrachten. Wir sehen sehr viel und merken erst hinterher die Anstrengung. Zum Glück können wir uns im Hotel erholen.

Am Abend dann ziehen wir wieder los, dieses Mal wartet ein typischer Altbau auf uns, das Vorderhaus fehlt, im ehemaligen ersten Innenhof gibt es einen typischen Biergarten, das Hinterhaus weist u.a. auch zwei Tanzsäle (einschließlich eines Spiegelsaals) auf, bekannt unter dem Namen „Clärchens Ballhaus“. Wir finden einen Saal im „Old style“ vor, nehmen Platz und es wird aufgetischt. Nach dem Essen fängt auch die Musik an zu spielen und einige schwingen das Tanzbein, ein wunderbarer Abend!

Sonntag, 26. Juni 2016

Der frühe Morgen steht zur freien Verfügung. Einige nutzen ihn zum Besuch des Gottesdienstes in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. Anschließend genehmigen wir uns einen Frühschoppen im Alt-Berliner Biersalon, gleich über der Straße und rund um die Uhr geöffnet.

Zur Mittagszeit startet unsere Bootstour durch das Regierungsviertel  und viele unbekannte Gebiete, entlang der Charite, an Plötzensee und am Flughafen Tegel. Über die Havel kommen wir wieder zurück zur Spree mit der ehemaligen Unterkunft des Innenministeriums und der Beamtenschlange. Schön das Leben am und das (Schiffs-) Gedränge im Wasser zu sehen. Und: Es ist sehr angenehm, neben der Stadtführung mit anderer Sicht, auch noch speisen zu können. Mit vielen neuen Eindrücken verlassen wir das Schiff, damit ist es nicht genug, wir unternehmen eine weitere Stadtrundfahrt, unserer Vorsitzender, Herr Dr. Ralf Tempel, lässt sich nicht lange bitten und hängt noch eine Stadtführung per Bus an, vorbei an Synagoge und Monbijou-Park in der Oranienburger (Berlins gehobenster Straßenstrich), Hackeschen Höfen, Alex, Gendarmenmarkt mit Deutschem und Französischem Dom & Konzerthaus sowie am Checkpoint Charly. Nun noch eine kleine Pause im Hotel und der Höhepunkt der Reise kann kommen.

Nun fahren wir zur Waldbühne, ein Jahr Vorfreude ist schlagartig vorüber. Gut ausgerüstet mit Sitzkissen, wärmende Kleidung (prophylaktisch, man weiß ja nie), ausgezeichnetem Picknick-Paket vom Lindner und ausgezeichneter Stimmung (Freude pur) streben wir unseren, reservierten Plätzen zu. Von dort haben wir gute Sicht und ausgezeichnete Akustik, wieder hervorragend organisiert wie alles an dieser Reise. Dieser Berliner Abend verwandelt sich in „Einen Tschechischen Abend“ mit den Philharmonikern unter Leitung von Yannik Nezet-Seguin, mit der Violonistin Lisa Batiashvili mit sehnsuchtsvollen aber auch humoresken Werken von Bedrich Smetana und Antonin Dvorak. Unbeschreiblich schön ist diese Aufführung, dazu sitzen wir unter einem herrlichen Himmelsdach mit eigener, immer wieder sich ändernder Zeichnung bis zur fast völligen Dunkelheit. Dieses Gefühl wird bleiben.

Als Zugabe gibt es Paul Linkes: „Das ist die Berliner Luft“, ein Stück zum Mitklatschen und Mitpfeifen, wovon das Publikum rege Gebrauch macht, sehr zur Freude der Philharmoniker. Und, als hätten wir es vergessen, erinnert uns Yannik Nezet-Seguin daran, dass parallel Deutschland bei der Fußball-EM gespielt hat: Mit übergezogenem Deutschland Trikot betritt er die Bühne und feiert mit uns den 3:0 Sieg über die Slowakei. Was für ein Abend!

Wir fahren zurück zum Hotel und setzen uns erst noch in unser Stammlokal, dem rund um die Uhr geöffneten, auf dem Ku’damm und lassen weit nach Mitternacht alles Revue passieren.

Montag, 27. Juni 2016

Die Abreise steht an. Nicht aber ohne uns auch heute noch Neues anzusehen. Unser Führer, Herr Peter Grosch, zeigt uns heute das Schloss Glienicke und Potsdam. Damit wären wir dann schon auf halbem Wege nach Hause.

Schloss und Park sind wieder prächtig hergerichtet. Prinz Carl von Preußen als Bauherr beschloss nach seiner ersten Italienreise seinen Traum von einer italienischen Villa mit entsprechender Landschaft, entstehen zulassen.

Nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel wurde die Anlage „antik“ gebaut. Schloss, Casino, Große und Kleine Neugierde wurden im klassizistischen Stil erbaut. Die Baum- und Wiesengründe, hin zur Havel und Blick nach Potsdam  haben wir dem Gartenkünstler Peter Joseph Lenné zu verdanken.

Gleich anschließend fahren wir über die Glienicker Brücke, der Ort wo sagenumwobene Agentenaustausche – und nicht nur die – stattgefunden haben, nach Potsdam rein. Vorbei an Cecilienhof, Schloss Sanssouci mit Bockwindmühle, Neues Palais und Alexandrowka-Siedlung fahren wir bis zum Holländischen Viertel – alles Symbole für des großen Friedrichs freiheitliche Politik: Jeder soll nach seiner Façon glücklich werden – nur er selber fand sich gefangen in seinen Zwängen wieder.

An der St. Peter und Paul Kirche verabschieden wir uns von Peter Grosch. Wir steigen ein und fahren glücklich – mit dem Wissen außergewöhnliches erlebt zu haben – gen Westen …

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske & Dr. Ralf Tempel)