Fahrt nach Südpolen

5.-10. Mai 2018

Wieder einmal eine Reise Richtung Osten, wir sind schon äußerst gespannt. Die Beweggründe, bei dieser Reise dabei zu sein, sind sehr unterschiedlich. Um es vorweg zu nehmen, alle sind hinterher einhellig der Meinung, diese Reise hat sich sehr gelohnt – nie hätten wir gedacht, wie viel Unbekanntes wir erleben durften, wie schön sich gerade die Großstädte Breslau und Krakau entwickelt haben, wie behutsam wiederaufgebaut, saniert und neue Akzente gesetzt wurden und wir trafen durchweg auf freundliche Menschen, die sich ihrer Geschichte, sei es in Schlesien oder Galizien bewusst sind – schlicht lebenswerte Metropolen!

Samstag, 5. Mai 2018

Frühes Aufstehen ist angesagt, unsere Reise startet pünktlich um 06:00 Uhr. Die Anreise nach Breslau verläuft weitgehend störungsfrei, wir fahren durch sehr abwechslungsreiche, frisch erblühte Landschaften, nur von einer kurzen Pause unterbrochen. Kurz nach der polnischen Grenze nehmen wir unseren polnischen Reiseleiter, Herrn Roman Rudy, an Bord und kurz vor Breslau ereilt es uns doch: Totalsperrung der Autobahn. Wir verspäten uns etwas, dafür geht das Check-in im Hotel Monopol in Breslau, der Perle Niederschlesiens, rasend schnell. Es ist ein Luxushotel, die Unterkünfte sind sehr großzügig geschnitten und ein großer Obstkorb (wie auch noch in den Hotels in Krakau und Bautzen) erwartet uns. Kaum ausgepackt, machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Abendessen ins Restaurant „Magdallena“ im Bezirk der „Vier Religionen“. Hier erleben wir eine ausgezeichnete, lokale Küche. Auf dem Rückweg kommen wir gleich nebenan an der restaurierten Synagoge „Zum Weißen Storch“ vorbei, nicht ohne einen, kleinen Zwischenhalt einzulegen.

Sonntag, 6. Mai 2018

Gleich nach dem Aufstehen verschaffen wir uns hoch oben von der Hotel-Terrasse einen Überblick, wo wir uns befinden: In der Breslauer Innenstadt mit Blick auf den 50-geschossigen Sky Tower und die Philharmonie, letztere werden wir am Abend noch aufsuchen.

Direkt vorm Hotel startet der Stadtrundgang. In der Verlängerung des Hotels steht das frühere Kaufhaus Rudolf Petersdorff, zusammen gehören sie zu den Stilikonen der Breslauer Architektur. Gleich gegenüber steht die Oper.

Berühmte Leute gehörten in der Vergangenheit zu den Gästen des Hotels, aber auch in unmittelbarer Nachbarschaft kann man Spuren von ihnen finden. So wohnte gleich nebenan der Quantenphysiker Max Born (einer von neun Breslauer Nobelpreisträgern). Der nächste Blick fällt auf die Philharmonie, die in einen großzügig gestalteten, offenen Platz eingebettet wurde. Weiter geht’s vorbei am Medaillen Museum hinüber zum Marktplatz, einem der schönsten Plätze Europas. Der mittelalterliche Platz wird auch „Großer Ring“ oder einfach nur „Der Ring“ genannt. Hier gibt es farbenprächtige Gebäude, im Stile des 16. Jahrhunderts restauriert. Die prächtigen Bürgerhäuser sind nicht im 2. Weltkrieg zerstört worden. So finden wir hier das Bürgerhaus „Unter Greifen“, das größte am Ring und das Haus „Zu Sieben Kurfürsten“, welches mit fantastischen Malereien verziert ist.

Im Zentrum steht das prachtvolle Rathaus mit der eindrucksvollen Fassade in einer interessanten Mischung aus Gotik und Renaissance. An der linken Seite steht die Elisabethkirche, vollständig aus Backsteinen erbaut. Herausstechend ist der Erker an der Breitseite des Hauses, der unten noch den Eingang zur ältesten Brauerei und Ausschank des Landes beherbergte. Auf der Schmalseite rechts davon finden wir die beeindruckende astronomische Uhr und davor (rekonstruiert) den mittelalterlichen Pranger.

Auch hier treffen wir Immer wieder auf kleine Gnome. Sie stammen von Graffiti aus kommunistischer Zeit und fanden dann Verwendung bei Aktionen der „Orange Alternative“, die das bestehende System friedlich lächerlich machte. Nach dem Fall der Mauer waren die Zwerge bis August 2005 in Vergessenheit geraten, als der Breslauer Bildhauer Tomasz Moczek die ersten fünf Zwerge aufstellte, monatlich kommen neue hinzu. Sie zu einem festen Bestandteil des städtischen Raums und zu einem sozialen Phänomen geworden.

Ab dem 13. Jahrhundert waren die deutschen Siedler die stärkste Bevölkerungsgruppe in der Region. Sie halfen, die Stadt nach dem Durchmarsch der Hunnen wiederaufzubauen und in ein blühendes Handelszentrum zu verwandeln. In den nachfolgenden Jahrhunderten wuchs Breslau weiter, abwechselnd unter Böhmischer und Habsburger Herrschaft. Schließlich eroberte der Preuße Friedrich II 1741 Schlesien mit der Folge, dass Breslau die nächsten 200 Jahre zunehmend deutscher wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wurden Polen aus den Gebieten um Lemberg herum in die menschenleere Stadt umgesiedelt. Sie mussten ihre Heimat verlassen, da dieses Gebiet der Sowjetunion zugesprochen wurde. Diese Polen bildeten nur rund 10% der neuen Einwohnerschaft, allerdings saßen sie an den wichtigen Stellen in Stadt und Wirtschaft, so dass Neuankömmlinge den Eindruck bekamen, dass fast alle hier aus Lemberg stammten.

Nach Breslau kamen aber all die Jahrhunderte vorher schon Gelehrte, Architekten, Künstler, um hier zu arbeiten. Überhaupt kann man den Eindruck gewinnen, dass Europa schon im frühen Mittelalter hier gelebt wurde.

Auf dem Weg zur Elisabethenkirche haben wir den schönsten Zugang durch einen Torweg mit zwei verbundene kleine, altruistische Barockhäuser, die im Volksmund als „Hänsel und Gretel“ bezeichnet werden. Dahinter kommen wir noch an den alten Fleischbänken, den festen Verkaufsständen der Fleischerzunft, vorbei.  Tierskulpturen verdeutlichen das eindrücklich.

Aber jetzt kommen wir zum Höhepunkt, der Aula Leopoldina, einen der größten Barocksäle Europas. Er wird heute für Konzerte und offizielle, jährlich stattfindende Zeremonien, z. B. für Immatrikulationen, genutzt. Gleich neben (und ein Stock tiefer) finden wir den Konzertsaal Oratorium Marianum nach langwierigen Restaurierungsarbeiten wieder zugänglich. Dessen Deckengewölbe erstrahlen in frischen, alten Farben.

Wir setzen uns kurz in den Bus – als Zwischenerholung – und fahren zur Jahrhunderthalle. Sie ist vor über 100 Jahren aus Stahlbeton errichtet worden und weist die weltweit größte, freitragende Kuppel auf. Zusammen mit der vor dem Haupteingang der Halle aufgestellten Iglica, einer ca. 100 m hohen Nadel, zählt sie zu den Wahrzeichen der Stadt. Nach der Besichtigung treffen wir uns auf ein Glas Sekt auf der Dachterrasse der Jahrhunderthalle mit Panoramablick auf die Wasserspiele. Das tut richtig gut!

Aber gleich darauf fahren wir in kurzer Fahrt hinüber zur Dom Insel. Wir halten direkt vor der katholischen Kirche, gegenüber St. Maria auf dem Sande, gehen an St. Peter und Paul und der Doppelkirche zum Hl. Kreuz mit dem Denkmal des heiligen Johannes von Nepomuk vorbei in Richtung Breslauer Dom – der gotischen Kathedrale Johannes des Täufers. Sie überragt alles und ist die wichtigste Kirche ganz Schlesiens.

Die Zeit ist weit fortgeschritten und wir eilen zum frühen Abendessen ins Restaurant „Jadka“. Hier empfängt uns eine gastliche Atmosphäre, wir kommen ganz zur Ruhe und erholen uns von dem interessanten Programm. Wir entspannen hier so sehr, dass wir den nächsten Programmpunkt fast aus dem Auge verlieren: Besuch der Philharmonie. Auf uns wartet der heitere Paganini. Im großen Saal erleben wir das Westside Symphonieorchester – einfach großartig!

Nach dem Konzert streben wir dem Monopol zu, nur ein paar Schritte entfernt. Den Abend lassen wir auf der Dachterrasse ausklingen.

Montag, 7. Mai 2018

Heute fahren wir nach Krakau. Dabei werden wir einen Zwischenhalt in Tschenstochau einlegen, mit Führung im Kloster „Heller Berg“ (Jasna Góra), einen der bedeutendsten Wallfahrtsorte der römisch-katholischen Kirche und dem wichtigsten in Polen. Die Paulinermönchen haben es auf dem Hügel gegründet und betreuen es bis heute. Im Zentrum des Interesses steht die „Schwarze Madonna“, das wertvollste Nationalheiligtum und die Königin Polens. Die Kirche ist schwer befestigt und über die Zeiten immer weiter ausgebaut worden – es ist ein heterogener, großer Komplex.

Wir werden von der Mutter Oberin empfangen. Sie ist eine sehr resolute und dabei liebevoll agierende Führerin für die nächsten Stunden. Wir haben Glück und streben sogleich der Basilika Mariä Himmelfahrt zu, es ist die Zeit, an der das Heiligtum enthüllt wird. Wir lassen uns durch die Menge der Gläubigen schieben. Direkt vor der Ikone steht eine Gruppe Kinder, die gerade ihre Kommunion feiern.

Auf dem Weg nach draußen gelangen wir durch die Kapelle des Herzens des Herrn Jesus, die nicht weniger großzügig ausgestattet ist. Über den Innenhof gehen wir auf die äußeren Festungsanlagen und dann direkt in die Schatzkammer.

Beeindruckt steigen wir wieder in den Bus und fahren nach Krakau. Kurzes einquartieren im „Grand Ascot“ inmitten der Stadt, dann machen wir uns schon auf den Weg zum Abendessen ins Restaurant „Szara Gęś“, vorbei an den Tuchhallen, dem Handelszentrum aus der Renaissance, im Hintergrund die Türme der Marienkirche und dicht entlang des freistehenden Rathausturms. Schon treten wir ein in große Hallen. Für uns ist ein Extraraum reserviert, wir sind für uns. Essen, Trinken und Service sind 1a. Wir lehnen uns zurück und lassen die vielen Eindrücke einwirken. Wir verweilen noch lange, ehe wir den 5-minütigen Rückweg ins Hotel antreten. Dort nehmen einige noch einen weiteren guten Tropfen in der Hotelbar.

Dienstag, 8. Mai 2018

Heute steht wieder ein schön anstrengender Tag bevor: Die Stadtbesichtigung lockt – mit einer lokalen Stadtführerin.

Die alte Königsstadt ist über 1.000 Jahre alt, das kann man allerorten noch erahnen. Krakau wurde nie durch Kriege zerstört, und so kann man rund um den Ring, dem Marktplatz, zahlreiche Bauwerke der Gotik, der Renaissance, des Barock und späterer Epochen der Kunstgeschichte bewundern. Hier ist ihr Antlitz in verschwenderische Schönheit mit Restaurants, Cafés und Jazzkneipen erhalten bzw. wieder restauriert worden. Und Krakau wird immer noch als heimliche Hauptstadt Polens bezeichnet.

Wir starten im Jüdischen Viertel Kazimierz. Hier findet man eine Kneipendichte, die es so in ganz Polen nicht gibt. Am Abend werden wir uns davon überzeugen.

Ausgangspunkt ist die Breite Straße. Ein ungewöhnlicher Ort, wo das Herz des jüdischen Kazimierz schlägt. Gleich am Anfang haben wir einen Blick auf die Remuh Synagoge mit dem alten Friedhof, gewidmet dem Rabbi Moses Isserle alias Remuh, der hier predigte und auf dem nebenan liegenden Friedhof beigesetzt wurde. Wir ziehen durch die alten Straßen, vorbei an der Isaak Synagoge gleich gegenüber einem Café, wo jeder Straßentisch eine alte Nähmaschine aufweist, zum nächsten Ziel, dem „Neuen Platz“ mit dem 1900 fertiggestellte Rundbau, dem ehemaligen, jüdischen Schlachthaus „Okrąglak“, wo man noch heute kleine Baguettes kaufen kann. Der besteht aus der inneren Halle und einem zwölfeckigen Ring. 1927 zog in einen Teil der Rotunde ein koscheres Geflügelschlachthaus ein.

Weiter geht’s durch malerische Gassen, die für den Hollywood-Film „Schindler’s Liste“ als Kulisse genutzt wurden. Auch eine Holzsynagoge suchen wir auf, wobei der Hauseingang einen Meter tiefer liegt.

Zum Schluss dann doch eine kleine Rast an einem der vielen Cafés in der Breiten Straße in unmittelbarer Nähe zur alten Synagoge.

Nun geht’s hinüber zur ehemaligen Residenz auf dem Wawelhügel mit Schloss und Kathedrale, wo die meisten der Könige Polens sowie zahlreiche Persönlichkeiten von herausragender historischer Bedeutung begraben sind. Das heterogene Erscheinungsbild entstand erst nach dem Mittelalter, als der Kathedrale mehrere Kapellen hinzugefügt wurden.

Nun sind wir doch der Meinung, dass wir uns eine ausgedehnte Mittagspause verdient haben. Da taucht am „Ring“ das königliche Restaurant „Wierzynek“ auf. Nach endlosen Treppenläufen gelangen wir in einen kleinen Konzertsaal und erleben ein wunderbares, exklusives Chopin-Konzert. Was für eine Überraschung! Nach dem geistigen Genuss erlangen wir auch noch einen kulinarischen, es gibt einen wirklich guten Kaffee und leckeren Kuchen – Entspannung pur und die Lebensgeister erwachen wieder. Von hier oben haben wir einen hervorragenden Blick auf den Hauptmarkt samt Marienkirche.

Sie überragt den Marktplatz; von ihrem Turm ertönt zu jeder vollen Stunde eine Melodie. Ein Feuerwehrmann erinnert an den tapferen Turmbläser, der 1241 die Bürger der Stadt vor den herannahenden Mongolen warnen wollte. Noch während er blies traf ihn ein tödlicher Pfeil. Das plötzliche Abrechen der Melodie symbolisiert den tödlichen Treffer. Das schauen wir uns natürlich von außen und innen an.

Nun „untersuchen“ wir auch noch die alten Tuchhallen, einige Einkäufe werden getätigt. In unmittelbarer Nähe liegt die Universität, die zweitälteste Europas; sie wurde 1364 gegründet. Nur die Prager Universität ist älter.  Der berühmteste Student der Krakauer Universität war von 1491 bis 1495 Kopernikus.

Nun aber schnell die paar Meter zurück zum Hotel und sich erfrischen für den nun kommenden Abend. Es geht zurück  zum Jüdischen Viertel Kazimierz. Wir erleben ein Abendessen mit einem Streifzug durch die jüdische Küche und Klezmermusik im Restaurant „Klezmer Hois“. „Bei mir bist du scheen“ werden wir in Erinnerung behalten. Ein wirklich phantastischer Abend, den wir an der Hotelbar ausklingen lassen.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Früh fahren wir von Krakau ab, in der Höhe von Breslau verlässt uns Roman, der uns Schlesien und Krakau so nahe gebracht hat. Wir fahren weiter nach Bautzen. Wir checken im Best Western ein um kurz darauf für den nächsten Höhepunkt präpariert zu sein.

Wir haben einen Besichtigungstermin bei  der Firma „Eule Orgelbau“.  Herr Eule hat vor acht Jahren, als die Orgel in der Mercatorhalle intoniert wurde, dazu eingeladen; nun sind wir da. Voller Herzblut schildert er uns den Weg, von der Holz-, Kupfer- und Zinn- Beschaffung bis zum Zusammenbau der Orgel, den langen Weg von der Planung bis zur Realisierung. Und er zeigt uns die Fertigungsschritte in seiner Werkstatt. Wieder einmal auf dieser Reise sind wir stark beeindruckt von den Ideen und Schaffenskraft der Menschen.

Anschließend unternehmen wir einen geführten Stadtgang, beginnend mit dem Blick auf die „Alte Wasserkunst“. Wir nehmen in Augenschein den Reichenturm, am Beginn der Reichenstraße, das Rathaus, den Dom St. Petri – eine Simultankirche – , die Ortenburg, den Schülerturm und zurück über Rathaus und Reichenturm zum Hotel. Hier haben wir ein sorbisch-sächsisches Abendessen.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Nach dem Frühstück treten wir die Heimreise an. Es ist eine sehr kurzweilige Fahrt, ausführlich lassen wir das Erlebte Revue passieren. Es war alles sehr beeindruckend und manch ein Vorurteil konnte über Bord geworfen werden. Fazit: Europa gibt es schon sehr lange und wir leben mittendrin.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske & Dr. Ralf Tempel)

Im Spannungsfeld von Arztpraxis und Boxring

Vortrag von Dr. Stephan Bock

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 12. April 2018

Huch, von 0 auf 100 in ein paar Tagen; kaum hat uns der Winter den Rücken gekehrt, sehen wir uns fast dem Sommer gegenüber. Egal, statt des lodernden Kamins können wir heute das erste Mal unsere Terrasse betreten. Vorfreude auf das Sommerfest im Juni steigt auf.

Mitglieder und Gäste werden vom Vorsitzenden, Herrn Dr. Ralf Tempel, aufs herzlichste begrüßt, ganz besonders die neuen Mitglieder. Er zählt auf, was alles neu in und an der Societät ist; es kommt vieles zusammen.

Für den ersten Teil des Abends wartet Herr Hobohm mit den kulinarischen April-Variationen auf: Wieder Bestes vom Feld, aus Stall, Meer und Weinkeller. Einfach köstlich!

Im zweiten Teil erwartet uns ein ganz besonderer Vortrag: Herr Dr. Stephan Bock, Allgemeinmediziner in Duisburg-Marxloh, aber auch Ringarzt bei den Klitschko-Kämpfen, berichtet uns aus seinem interessanten und abwechslungsreichen Mediziner-Leben. Aber wie kommt ein Mediziner zum Boxkampf? Ganz einfach, wie die Jungfrau zum Kinde: Ein Freund nahm ihm mal zu einem Kampf mit und erlebte, wie viel Spannung während eines Boxevents in der Luft liegt und welche Erwartungen auf den Schultern der Ringärzte ruhen. Alle beteiligten Akteure, ob Boxer, Trainer, Boxställe mit ihren Promotern, Medien –  insbesondere die übertragenden Fernsehsender – und nicht zuletzt die Zuschauer, haben ihre eigenen Erwartungen, die manchmal diametral aufeinander prallen. Und die Interessen sind merkantiler Art, es geht bei den großen Kämpfen um dutzende Millionen Dollar. Da kann der Druck auf die Akteure übermenschlich groß werden. Und oft steht auch der Ringarzt im Mittelpunkt, immer dann wenn es um einen möglichen Kampfabbruch geht.

Aber welche Aufgaben, Mittel und Möglichkeiten hat der Ringarzt?

Dr. Bock geht zunächst auf die Voraussetzungen ein, die man mitbringen sollte: Intensivmedizinische Erfahrung sowie chirurgische, neurologische und traumatologische Kenntnisse.

Die Aufgaben gehen weit über die beim eigentlichen Kampf hinaus: Eingangsuntersuchung
für die Lizenzierung der Profi-Boxer, jährliche Hauptuntersuchung, körperliche Untersuchungen am Vortag des Kampfes vor der Waage, medizinische Betreuung
während des Kampfes und Nachsorge nach dem Kampf.

Beim Kampf sollte der Ringarzt jederzeit auf der Höhe des Geschehens sein, wissen, in welcher Phase sich der Kampf befindet, wie ein Schlag mit welchem Winkel auf welche Körperregion ausgeführt wird. Die Gesundheit des Boxers sollte immer im Vordergrund stehen, der Ringarzt sollte stets unabhängig bleiben und Fingerspitzengefühl in kritischen Situationen beweisen, sich in die Boxer hineinversetzen können und versuchen, alle Emotionen auszuschalten.

Leider kommt es vor, dass dieses nicht immer gewährleistet ist, sei es aus einem gewissen Desinteresse oder zu großer Nähe zu Veranstaltern oder Medien. Hier zeigt Dr. Bock einige Beispiele, wie ein und derselbe Ringarzt bei ähnlicher Situation bei zwei Kämpfen zu unterschiedlichen Beurteilungen kommt.

Er erzählt sehr erfrischend kurze Geschichten rund um den Boxring, kleine Streitgespräche mit den Boxern und den Ringrichtern und den anderen Ringärzten. Es ist eine eigene Welt, die einige ganz Große kennt und viele Verlierer.

Seine Worte werden ausdruckstark durch Bilder und Videoeinspielungen illustriert, aufgenommen vor, während und nach dem Kampf. Wir bekommen eine Ahnung von seinem Engagement und vom Umfang seiner Arbeit, die er nunmehr seit 15 Jahren ausführt, in den letzten Jahren auch als leitender Ringarzt, alles neben der eigentlichen Arbeit in seiner Praxis. Aber wie er gesteht, hat er auch dabei Glück gehabt, die Boxkämpfe finden am Wochenende statt!

Wir erleben einen aufregend interessanten Abend und freuen uns schon auf die Fortsetzung mit ihm im nächsten Jahr zum Thema „Marxloh“.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Gemeinsam besser – Qualifizieren durch Engagieren

Vortrag von Frau Carmen Thomas

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 22. März 2018

Nachdem der Winter nun ordentlich im Februar und ⅔ des März in Erscheinung getreten ist, hoffen wir doch, dass es langsam Frühling werde. Zwar brennt noch das Feuer im Kamin, aber die Räume sind österlich geschmückt. Der Vorsitzende begrüßt alle Mitglieder und Gäste, geht kurz auf dem Ablauf des Abends ein und stimmt schon mal auf das nun kommende Menü ein. Herr Hobohm hat sich wieder ins Zeug gelegt und kredenzt lukullische Köstlichkeiten: Es gibt kleine Reibekuchen mit Lachs, ebenso Pillekuchen mit Speck & Zwiebeln, Paprikaschiffchen mit Schinken-Käsecreme, Tomatennest mit Fleischsalat, Pfannkuchenrolle mit Spinat-Feta, Ragout Fin- Törtchen und natürlich wie immer eine gemischte Rauchfischplatte. Beide Hauptgänge verstehen sich als eine Reminiszenz an unsere Vortragende: Düsseldorfer Senfrostbraten an Schmörkes und Blumenkohl-Broccoli-Gratin und Kalbsleber mit Schmorzwiebeln und Himmel un Äd – ein Gedicht. Apropos Gedicht – bevor es soweit ist, kommt selbiges, nein gleich zwei Gedichte zum nahenden Frühling, vorgetragen von der Enkelin unseres Mitgliedes Frau Ilse Neuber, Emilia Neuber.

Nach diesem Festmahl wenden wir uns nun der Vortragenden zu. Wir freuen uns sehr auf Carmen Thomas. Sie ist eine populäre deutsche Journalistin, Autorin und Dozentin. Viele Jahre lang war sie die Rundfunk- und Fernsehreporterin beim WDR und beim ZDF. Unvergessen Ihre WDR Rundfunk-Mitmach Sendung „Hallo Ü-Wagen“, die Kultstatus erlangte. Immer steht der Mensch im Mittelpunkt, sie kann genau zuhören, greift deren Gedanken und Wissen auf und befördert das Gespräch auf ein höheres Niveau. Ein Kernspruch taucht immer wieder bei ihr auf: Die Menge ist immer intelligenter als der Einzelne.

Aber wie kommt man mit einem Vorhaben voran? Jeder kennt das Bild vom Sitzen in einem Boot, miteinander rudern statt gegeneinander mit der 5K-Strategie: Kommunizieren (Mehr als reden: „Alles spricht“), Kooperieren (Zusammen (be-)wirken, besser lernen), Koordinieren (Arbeiten noch effektiver verzahnen), Ko-Agieren (Alle machen mit + tragen aktiv Nutzbares bei) und Kompostieren (Dung ist Dünger).

Wir leben in einer aufregenden Zeit mit vielen Umbrüchen und sich ständig ändernden Randbedingungen; lebenslanges Lernen ist dabei immens wichtig – Immer in „Fluss“ bleiben. Und da sind wir schon beim ersten Teil des heutigen Themas: Gemeinsam besser – Qualifizieren durch Engagieren. Das passiert wie immer durch viel Übung oder wie es früher hieß: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ oder heute bei Carmen Thomas: „Draußen üben – drinnen können“.

Und sie lässt uns einen Satz üben, bei dem jeder ein anderes Wort betonen soll. Wir merken, dass sich dadurch der Inhalt ändern kann und dass es leichter fällt, mit entsprechender Gestik und Stimmlage die Bedeutung zu unterstreichen.

Vieles erzählt Frau Thomas über Gruppendynamik, Animation und Begeisterung, dass sich so gut wie immer hinterher herausstellt, Wissensvermittlung ist nie eine Einbahnstraße. Man wird selber klüger und sicherer in seinem eigenen Tun.

Wir erleben einen interessanten und unvergesslichen Abend.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Alexander von Humboldt – ein weitgehend vergessenes Universalgenie

Fischessen und Vortrag von Herrn Prof. Dr. Hans-Jürgen Knieriem

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 14. Februar 2018

Mit dem Hoppeditz begraben wir die fünfte Jahreszeit – das steht für das heutige Schwarz  am heutigen Abend, das Weiß steht für die anstehende Fastenzeit mit Nachdenken über das Leben und Verzicht im besten Sinne – wir werden die nächsten 40 Tage sicher gut leben und das Gute darüber hinaus fortführen. Der Kamin lodert und einige schauen sich dort die Videos unserer Reisen vom letzten Jahr an. Der Vorsitzende, Herr Dr. Ralf Tempel, begrüßt herzlich alle anwesenden Mitglieder und Gäste. Es ist alles perfekt organisiert vom Veranstaltungswart, Frau Katharina Tempel, die Tische sind passend zum Thema hergerichtet und selbst die Gäste haben sich zum großen Teil passend in „Schwarz“ und „Weiß“ gekleidet.

Aschermittwoch heißt bei uns auch immer Fischessen. Herr Hobohm hat heute wahrlich Außerordentliches vorbereitet; allein die Vorspeisen lassen bei uns das Wasser im Mund zusammenlaufen: Bouillabaisse, Rauchfischplatte, Halber Lachs garniert, Matjesröllchen und -happen, Heringsstip, Roter Heringssalat, Rollmöpse, Bratheringskugeln und für Fischabstinenzler Tomate Mozzarella, Mandelmedaillons, Spargelröllchen und Melone mit Serrano-Schinken. Der Hauptgang bietet eine Fischtrilogie auf leichtem Wok-Gemüse, Skrei an mild-sauren roten Linsen und Hamburger Pannfisch an Senfsoße. Ausgiebig genießen wir die dargebotenen Köstlichkeiten.

Nach diesem Festmal setzen wir uns langsam zurecht und erwarten den Vortrag von unserem Mitglied, Herrn Prof. Hans-Jürgen Knieriem. Dr. Tempel stellt den Vortragenden vor. Der Name Knieriem ist bekannt im Duisburger Raum, jeder hat von ihm gehört auch wenn er nicht immer für jeden sichtbar war.

Aber nun zum Vortrag. Dieser beschreibt das Leben und Wirken des Alexander v. Humboldt. Als Schüler eher etwas lernunwillig, zeichnen ihn aber bereits zu dieser Zeit ein enormes Talent und eine außerordentliche Befähigung zum Malen aus; seine Bilder wurden in der Berliner Akademie ausgestellt.

Mit seinem Bruder Wilhelm ging er zum Studium zunächst nach Frankfurt an der Oder. Doch beide waren dort unterfordert und gingen dann gemeinsam nach Göttingen. Mit 21 nahm Alexander das Studium des Bergbaus und Minenwesens an der Bergakademie Freiberg auf – in acht Monaten war er mit dem gewonnen Fachwissen auf der Höhe der Zeit. Im Alter von 26 Jahren war er Oberbergrat. Er revolutionierte den Erzabbau, verbesserte Grubenlampen und Atemschutz – er ging ganzheitlich an die Lösung von Herausforderungen heran, dass zeichnete ihn sein Leben lang aus.

Durch seinen Bruder machte er die Bekanntschaft mit Goethe und Schiller. Insbesondere mit Goethe verbrachte er viel Zeit zum Gedankenaustausch. Goethe war dermaßen von Humboldts Wissen und Schlussfolgerungen begeistert, dass er ihn als Vorlage für Faust‘s „Geist, der nie ruht“ nutzt.

Herder machte ihn auf die Anden und das Amazonasbecken aufmerksam. So startete Alexander nach Südamerika zum Orinoko und Rio Magdalena mit seinem Begleiter Aimé Bonpland und den bekannten Einbaum. Bei der Besteigung des höchsten Berges Südamerikas, des Chimborazo, konnte er sein umfangreiches Wissen, Intelligenz und Mut unter Beweis stellen. Er machte persönlich Bekanntschaft mit der Höhenkrankheit und seinen Auswirkungen, unternahm vergleichende Untersuchungen zu Klima- und Vegetationsformen. Er erkannte die Wirksamkeit des Guano Düngers und führte diesen in Europa ein. Ebenso untersuchte Alexander von Humboldt die Vergangenheit der Inka und war beeindruckt von der Leistungsfähigkeit, solche großartigen Kultstätten zu schaffen ohne von dem „Rad“ zu wissen. Er erkannte die Auswirkung des heutigen „Humboldt“ Stroms und die damit einhergehende Beeinflussung des Klimas auf die Galapagosinseln. Danach ging es weiter nach Mexiko und die Untersuchung der Azteken-Kultur. Über Washington (wo er mehrere Tage mit dem Präsidenten Jefferson im Gespräch verbrachte) ging es zurück nach Europa. Ein Drittel seines geerbten Vermögens war damit verbraucht. Einen weiteren Teil verschlang die Herausgabe seiner Forschungsergebnisse in einer 30-bändigen Ausgabe über Südamerika. Als Geistesriese wird er weltweit gefeiert, aber besonders in Berlin kommt sein Status dem eines heutigen Popstars gleich. Mit seiner Vorlesung über die physikalische Erdbeschreibung an der Berliner Universität, die berühmten „Kosmos-Vorlesungen“, zieht er die Massen an.

Mit 60 Jahren unternimmt Humboldt die russisch-sibirische Forschungsreise auf Einladung des Zaren Peter I, um die Vulkane im Altai Gebirge zu untersuchen.

Sein geerbtes Vermögen ging im Laufe seines Lebens in seine Weltreisen und der Publikation seiner Ergebnisse auf. Am Ende war er vollkommen verarmt und wurde vom Bankier Mendelssohn unterstützt. Zeitweise wurden die großen Taten des letzten Universalforschers vergessen, aber er gilt vielen als der „Aristoteles der Moderne“, als ein Vordenker der globalisierten Wissenschaft.

Wir erleben einen interessanten, lehrreichen und amüsanten Abend, sitzen zusammen und lassen uns nochmal alles durch den Kopf gehen.

(Text und Fotos: Dr. Ralf Tempel)