Weihnachtsfeier

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 8. Dezember 2018

Diese Feier ist immer der Höhepunkt im Jahr. Heute erreichen wir unsere Räumlichkeiten bei Regen und mit einer ordentlichen Brise Wind. Drinnen dann bemerken wir bereits am Eingang die Lichter im Aufgang und oben die festlich geschmückten Räume mit loderndem Kaminfeuer und einem wunderschön geschmückten Baum. Wir kommen schnell ins Gespräch mit Glühwein und Plätzchen. Dankbar sind wir für die helfenden Hände unserer Mitglieder, die diese schöne Atmosphäre geschaffen haben.

Begrüßt werden wir vom Vorsitzenden, er hält eine kurze Rückschau zu den 16 Veranstaltungen in diesem Jahr – ein sehr erfolgreiches Jahr mit sehr großer Resonanz bei den Mitgliedern. Hier gilt der besondere Dank an unseren Veranstaltungswart, der natürlich auch heute wieder für den Ablauf verantwortlich zeichnet.

Aber bei der Gestaltung der heutigen Feier haben die Mitglieder selber Hand angelegt. Es unterhalten uns:

Frau Lore Rabe (Klavier) und Herr Norbert Killisch (Bratsche) musizieren, die Stücke stammen von Johann Gottlieb Graun, Johann Wenzel Kalliwoda, Carl Maria von Weber und Ariel Ramirez. Und immer wieder zwischendurch tragen unsere Mitglieder kleine Begebenheiten, Geschichten oder Erinnerungen vor:

Frau Margret Schultz eine Geschichte zum Wert von „Brücken“,

Frau Gerda Wilms eine Weihnachtsgeschichte über ein Krippenspiel,

Frau Jutta Schwarz rezitiert das Kaschubisches Weihnachtslied von Werner Bergengruen,

Herr Armin Stemm präsentiert seinen politischen, heiter-satirischen Jahresrückblick und

unser „Engelchen“, Frau Ilse Neuber eine Weihnachtsgeschichte, wobei sie dieses Mal über unsere neue gestaltete Terrasse zu uns geschwebt kommt.

Zwischendurch singen wir traditionell gemeinsam einige Weihnachtslieder.

Anschließend wird der Abend gekrönt mit einem sehr guten Essen und ausgiebigen Gesprächen und alles in familiärer Atmosphäre und eingestimmt auf die kommenden Festtage!

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Die eiserne Seidenstraße

Vortrag von Herrn Johannes Pflug

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 18. November 2018

Heute treffen wir uns an einem Sonntag und bei verändertem Format, wir fangen schon am Vormittag um 11:00 Uhr an und zuerst der Vortrag und dann das Essen.

Am Eingang empfängt uns das lodernde Feuer im Kamin. Aber heute gibt es noch etwas Besonderes: Eine Eisenbahn (im 0-Format) fährt im Kreislauf von Chongqing nach Duisburg und zurück – den beiden Endpunkten der neuen Seidenstraße. Dazu gibt es passend chinesische Vasen, Lampions, Ess-Stäbchen, Glückskekse und vieles andere noch aus diesem Kulturkreis – eine wirklich perfekte Einstimmung!

Wie üblich wird der Referent vom Vorsitzenden vorgestellt, was in diesem Fall bedeutet, Eulen nach Athen zu tragen. Herr Johannes Pflug ist bereits das dritte Mal bei uns – unvergessen sein letzter Vortrag zu Nordkorea. Heute ist Herr Pflug China-Beauftragter der Stadt Duisburg im Ehrenamt, allerdings ist er jeden Tag gefragter Gesprächspartner für Stadt, Industrie und Handel zum Thema China. Aber warum spielt Duisburg so eine zentrale Rolle im China-Geschäft?

Dazu schaut man am besten zunächst etwas zurück in die jüngere Geschichte, die vielleicht in drei Phasen eigeteilt werden kann:

Zum ersten hatte Duisburg die erste Städtepartnerschaft mit einer chinesischen Stadt (Wuhan) vor 36 Jahren aus der Taufe gehoben. Es folgte Schüleraustausch und eine Universitäten Kooperation.

Zum zweiten folgte der Empfang des ersten regulären Zuges durch Chinas Präsident Xi Jinping in Duisburg am 28. März 2014. Mittlerweile ist die Anzahl der Züge von zwei wöchentlich auf 35 angestiegen. Allein dafür gibt es im logport 6.000 Beschäftigte und die Warenbalance ist mittlerweile bei einem Verhältnis 60%/40% angekommen.

Zum dritten strahlen die Tätigkeiten vom Hafen auf die Stadt aus. Es kommen chinesische Investoren, es wird über ein Trade-Center gesprochen und ebenso über die Nutzung innerstädtischer Areale. Ein Beispiel ist der Verkauf des ehemaligen „Uni Polster“ Hauses an die Chinesen.

Duisburgs Vorteile für den Endpunkt der neuen Seidenstraße sind aber auch unübersehbar: Der größte Binnenhafen, etliche umgebende Autobahnkreuze, ein Eisenbahnkreuzungspunkt und der Flughafen, schneller von Duisburg als von Düsseldorf zu erreichen ist. Duisburg stellt das Tor zu Westeuropa dar.

Im Altertum hatten wir schon eine Seidenstraße mit Seitenpfaden bis zu 120.000km lang. Später übernahm die Schifffahrt die Handelsrute, da geologische und klimatische Herausforderungen damit besser zu meistern waren. Auf dieser Straße wurden aber nicht nur Waren transportiert, wie Gewürze, Kleidung, Nahrung und Schießpulver Richtung Westen und Glas und Edelsteine Richtung Osten. So gelangten aber auch Ideen, Ideologien und Krankheiten auf die jeweils andere Seite.

Die neue Seidenstraße führte zunächst über die Mongolei nach Europa, bei Irkutsk kam man dann auf die Transsib – damit führte der längste Streckenabschnitt über russisches Gebiet, geopolitisch nicht unbedingt von den Chinesen favorisiert. Außerdem lässt der Abschnitt über die Mongolei nur geringe Geschwindigkeiten und wenig Ladekapazität zu. Damit steigt die Fahrzeit auf 20 Tage. Die neue Variante führt nun über Kasachstan, erst bei Jekaterinburg trifft diese Route auf die Transsib. Jetzt braucht der Zug nur 12 Tage, es wird zweimal umgespurt von Normal- auf die Breitspur und wieder zurück.

Für China ist die Aktivierung der Seidenstraße aber weitaus mehr. Sie wollen Billionen in die Infrastruktur stecken. 2015 wurde der 13. 5-Jahresplan verabschiedet, damit verschiebt China den Schwerpunkt von rein quantitativ industriellem Wachstume auf nun qualitatives. Man investiert nun vermehrt in neue Materialien, neue Energien, Biomedizin, IT und KI (Künstliche Intelligenz); das schließt auch den Erwerb von Patenten ein. Insgesamt ist die neue Seidenstraße ein großer Komplex an Maßnahmen:

  • Aufbau eines leistungsfähigen Eisenbahnnetzes,
  • Auch als maritime Variante über das Südchinesische Meer, Rotes und Mittelmeer, dazu zählen auch viele Hafenbeteiligungen auf allen Kontinenten
  • Leitungssysteme für Energie (Öl & Gas), gerade direkt mit Russland und Kasachstan
  • Aufbau von Wirtschaftskorridoren entlang der alten Seidenstraße und Seitenpfaden, so z.B. von Kaschgar nach Gwadar in Pakistan und
  • Direktflugverbindungen in verschiedene europäische Städte

Aber wie positionieren sich nun Duisburg, Deutschland oder gar die EU gegenüber der riesigen Herausforderung mit dem chinesischen Bemühen, ihre Infrastrukturbemühungen zu exportieren? Leider sehr heterogen und insgesamt ist man eher bescheiden vorbereitet. Es passierte in der jüngeren Vergangenheit sehr schnell, dass die gesponserte Infrastruktur den jeweiligen Standorten eher zum Nachteil gereicht, geraten die Rückzahlungen ins Stocken gehen die jeweiligen Infrastrukturen in chinesisches Eigentum über.

Wir brauchen unbedingt einen gemeinsamen EU-Standpunkt zu Vorstellungen und Spielregeln, aber auch Evaluierung und eigene Investitionen für derartiger Geschäfte. Und wir sollten es auch als riesige Chance für die eigene Entwicklung sehen.

Ein wirklich detailreicher und kompetenter Vortrag endet. Natürlich gibt es viele Fragen, die auch alle beantwortet werden.

Nun können wir uns dem zweiten Teil zuwenden, dem Essen, welches Spezialitäten aus China und Duisburg bereithält. Wir geben uns diesem Angebot genussvoll hin. Wir sitzen noch lange zusammen und lassen den Nachmittag langsam ausklingen.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Stroke-Unit. Neues zur Behandlung des Schlaganfalls

Vortrag von Herrn Dr. Andreas Bock

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 9. November 2018

Ein lodernder Kamin begrüßt uns schon am Eingang – ein untrügliches Zeichen, dass für uns das Winterhalbjahr begonnen hat. Räume und Tische sind ganz auf Sankt Martin eingestimmt. Wir fühlen uns gleich zu Hause.

Der Vorsitzende, Herr Dr. Ralf Tempel, eröffnet den Abend mit dem Dank an alle, die für die gute Vorbereitung gesorgt haben. Anschließend erinnert er an Jubiläen am heutigen Tag:

– Novemberrevolution: Ausrufung der Republik 1918 (100 Jahre)
– Hitlerputsch 1923 (95 Jahre)
– Reichspogromnacht 1938 (80 Jahre)
– Fall der Berliner Mauer 1989 (29 Jahre)

St. Martin wird traditionell bei uns mit einem Gänse-Essen begangen. Den Braten müssen wir uns vorher „verdienen“. Wir singen gemeinsam das Lied „Sankt Martin, Sankt Martin“, begleitet auf dem Klavier von unserem Mitglied, Frau Lore Rabe. Und wie kam es eigentlich zum St. Martin Gedenken? Unser Mitglied, Frau Christel Hornschu, klärt uns auf. Anschließend gibt sie, zusammen mit ihrem Mann, noch die Gänse-Kantate von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben zum Besten. Wir sind begeistert!

Aber nun wird aufgetischt, im Mittelpunkt steht natürlich der Gänsebraten. Wir können schwelgen und wählen aus verschiedenen Köstlichkeiten. Alle sind voll des Lobes.

Nun aber zum Vortrag am heutigen Abend: Herr Dr. Andreas Bock referiert zu Behandlungsmethoden beim Schlaganfall. Jährlich erleiden fast 200.000 Menschen einen, 30% davon zum wiederholten Male. Sah man Betroffene früher den Schlaganfall an, wie halbseitige Lähmungen im Gesicht oder Körper, sieht man diese Auswirkungen heute bedeutend weniger – Dank moderner Diagnostik und Behandlung in s.g. Stroke-Units. Sie gibt es seit 1990, Duisburg hat deren zwei.

Die Ursachen sind Durchblutungsstörung im Gehirn, verursacht durch Ablagerungen an den Innenwänden der Arterien oder durch Blutgerinnsel, die Blutgefäße einengen oder vollends verschließen. Diese Defekte müssen schnellstens behoben werden – kurz: Time is Brain. Vor dem Beheben steht das Erkennen, aber wie erkennt man den Schlaganfall? Der Betroffene kann das nicht! Deshalb gilt F-A-S-T: Face (Gesicht) – Arms (Arme) – Speech (Sprache) – Time (Zeit). Ist das Gesicht verzogen, kann der Betroffene nicht mehr beide Arme heben, können keine einfachen Sätze nachgesprochen werden oder klingt die Stimme verwaschen – dann sofort die 112 wählen!

Viele, viele Fragen werden gestellt und beantwortet. Ein unvergesslicher Abend.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

Luther und seine „Herr“ Käthe

Vortrag von Herrn Pfarrer Stefan Korn

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 11. Oktober 2018

Heute ist eher ein untypischer Herbsttag, eher der 2. oder 3. Frühling unseres diesjährigen Sommers. Deshalb haben wir auch auf den Kamin verzichtet!

Es ist alles herbstlich gedeckt, die Kürbisse lassen grüßen! Ein weiteres Zeichen für eine gute Ernte zeigt sich als Marmelade in den kleinen Gläschen auf den Tischen. Diese stammt – ebenso wie die Kürbisse – von unserem Mitglied, Frau Marlies Greeske. Hierfür einen herzlichen Dank!

Ich glaube, das Menü ist heute auch entsprechend vielfältig ausgerichtet, es gibt zahlreiche Vorspeisen von Feld, Meer und Stall. Als Hauptgang stehen Steakhüfte, Kabeljau, Dreierlei von Kürbis und Rosenkohl bereit. Herrn Hobohm schon mal jetzt vielen Dank dafür.

Nun aber zum Thema des heutigen Abends: „Luther und seine „Herr“ Käthe“. Es ist gewissermaßen die Fortsetzung der letztjährigen Veranstaltung zu Luther – als Abschluss des Lutherjahres. Wieder haben wir die drei gleichen Akteure:

  • Herr Pfarrer Stefan Korn als Luther,
  • Frau Pfarrerin Karin Holdmann als Lutherin, Katharina von Bora oder „Herr“ Käthe und
  • Frau Helen Zimmer, agiert als Stichwortgeberin und versüßt zwischendurch mit Lutherliedern auf der Querflöte.

Erzählt wird die Geschichte, wie sich Luther und seine Lutherin kennen- und später lieben lernten, in chronologischer Reihenfolge und eingebettet in die Geschehnisse der Zeit.

Ausgangspunkt ist das Kloster Nimbschen, in der Nähe von Grimma in Sachsen. Hier hat Katharina von Bora ihre Schulzeit verbracht, hier fühlt sie sich wohl. Mit dem Klostereintritt ist sie die Ehe mit Gott eingegangen. Zur gleichen Zeit befindet sich Luther auf der Wartburg, es ist Oktober des Jahres 1521 und er sinniert über den Zwang zur Ehelosigkeit der Nonnen. Er selber empfindet sein Mönchwerden als gottlos, da er das Gelübde unter „inneren“ Zwang ablegte. Und diese Gedanken aus seinen Schriften dringen überall hin, auch bis zum Kloster. Auf der einen Seite ein gutes, sicheres Leben hinter Mauern – auf der anderen Seite ein freies Leben und die Aussicht auf eine weltliche Ehe und Familie. Die Befreiung der neun Nonnen läuft parallel zu anderen Mönchsaustritten aus vielen Klöstern.

Es dauert etwas, bis Katharina von Bora und Luther zusammenfinden, sich einander gewöhnen. Jeder bringt seine spezifischen Stärken in die Ehe, welch eine hervorragende Kombination darstellt. Wir werden geführt an Hand von Zitaten von beiden, ebenso von Freunden: „Wer wohl denkt, dem ist auch wohl!“

Hochachtung vor dem Werk Luthers und ebenso Hochachtung vor dem Schaffen Katharina von Boras! Wir sind beeindruckt.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

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