Herausforderungen im Hochleistungssport in Deutschland. Persönliche Erfahrungen eines Schwimmweltmeisters

Vortrag von Herrn Christian Keller

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 11. September 2018

Der Sommer scheint dieses Jahr kein Ende zunehmen – wie wunderbar! Nach drei Veranstaltungen, die wir nur auf der Terrasse verbracht haben, heute wieder eine im „normalen“ Format mit Essen und anschließendem Vortrag.

Das Essen steht unter dem Zeichen des Frühherbstes, etliches in Kombination mit Pfifferlingen hat Herr Hobohm auf den Tisch gestellt. Alles passt perfekt.

Heute haben wir wieder einen echten Hochkaräter zu Gast: Herrn Christian Keller. Einen vierfachen Olympia Teilnehmer (1992 – 2004), u.a. mit Platz 3 in der 4x200m Freistilstaffel. Zahlreiche Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften kommen noch obendrein, darüber hinaus 35-facher Deutscher Meister. Nebenbei ist er nun schon im 12. Jahr Berichterstatter für das ZDF, zuletzt dieses Jahr von den Schwimm Weltmeisterschaften in Budapest und den Europameisterschaften in Glasgow. Für seine hervorragenden Leistungen ist er mit der höchsten sportlichen Auszeichnung, dem „Silbernen Lorbeerblatt“, ausgezeichnet worden.

Nebenher engagiert es sich auch für seine Umgebung. So war er Aktivensprecher im Deutschen Schwimmverband, Schirmherr des Vereins „Children-with-special-needs e.V.“, Botschafter beim größten Schulwettbewerb der Welt „Jugend trainiert für Olympia“, Inhaber der B-Trainerlizenz, Mitglied im Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland, Mitglied im Beirat der Aktiven im DSB und Vorstand Stiftung Deutsche Sporthilfe.

Nur wie ist das alles zu schaffen? Herr Keller schildert seinen sehr strukturierten, immer wiederkehrenden Tagesablauf über die Jahre seiner Sportler-Karriere hinweg, angefangen morgens um 5:15 Uhr bis zur Bettruhe um 21:21 Uhr, dazwischen drei harte Trainingseinheiten, Schule / Studium und Essen. Und es kommt ein Berg von Kalorien zustande. Es ist ein sehr entbehrungsreicher Weg, nur wenige schaffen es bis ganz nach vorn. Viele Spitzensportler (müssen) geben auf, die meisten (37%) aufgrund beruflicher Herausforderungen, nur wenige (knapp 5%) wegen Erfolglosigkeit. Es existieren zahlreiche Spannungsfelder, die gut ausbalanciert beherrscht werden wollen:

  • Schule (G8) / Ausbildung / Studium / Beruf
  • Ausgewogene Ernährung
  • Gesundheit
  • Freund/ Freundin
  • NADA / WADA
  • Psychische Herausforderungen bei Niederlagen
  • Sponsoren / Finanzen
  • Presse / Social Medien

Die Unterstützung des Staates ist vorhanden, u.a. mit Prämien für das Erringen von Olympiamedaillen, aber auch die Plätze bis Rang 8 bringen etwas Geld in die Kasse. Daneben gibt es 62 Spitzenverbände, die ihre Spitzensportler entsprechend fördern. Gemeinhin kann man davon nicht auskömmlich leben, nach der Karriere ist damit Schluss, also muss die berufliche Karriere zeitig geplant sein. Jedem ist dabei bewusst, dass diese sehr viel später einsetzt als bei „Normalen“ und somit – in der Regel – über die Lebenszeit geschaut auch weniger verdient wird. Auf der anderen Seite sind Spitzensportler für ihre Disziplin, Standfestigkeit, Streben nach Perfektion, Mut, Entschlossenheit und hohe Belastbarkeit bekannt – nicht zu unterschätzende Vorteile für die berufliche Karriere.

Es werden Förderungssysteme in den verschiedenen Ländern beleuchtet, der Aufwand für Sportausrüstung und Betreuung sowie die Entwicklung der Ausbeute an deutschen Medaillen bei internationalen Wettkämpfen. Die Aussichten sehen dabei nicht unbedingt ungetrübt aus.

Insgesamt ein sehr eindrucksvoller Abend, der einen Blick hinter die Kulissen der Sportwelt gestattete. Wir haben noch viele Frage, Christian Keller beantwortet alle mit Souveränität.

Wir sind begeistert!

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske)

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