Die Medienlandschaft im Umbruch

Vortrag von Herrn Martin Schmuck

In den Räumen der SOCIETÄT DUISBURG e.V., 15. September 2017

Heute beginnt die zweite Hälfte unserer Veranstaltungssaison. Der Sektempfang lässt uns ungezwungen ins Gespräch kommen, manche haben sich länger nicht gesehen und freuen sich, einander begrüßen zu können. Unser Veranstaltungswart, Frau Katharina Tempel, begrüßt alle aufs herzlichste und wünscht einen interessanten Abend.

Wir starten mit dem Essen, lassen es uns gutgehen, auch bei einem guten Tropfen Wein oder einem Gläschen Bier.

Als der Geräuschpegel wieder etwas ansteigt, ergreift der Vorsitzende, Dr. Ralf Tempel, die Gelegenheit, den heutigen Referenten vorzustellen. Es ist Martin Schmuck, vielen vor allem vom WDR und später vom ZDF bekannt. Hier war er 22 Jahre Büroleiter des Studios Düsseldorf, dessen Produktionen immer weit vorne in den Nachrichtensendungen „Heute“ und „Heute Journal“ vertreten waren. Ihn zeichnet das Gespür für explosive Themen und er liebt hartnäckiges Recherchieren und kurzentschlossenes Handeln.

Herr Schmuck sieht heute drei Entwicklungen, die unser Leben massiv beeinflussen:

  • den Journalismus,
  • die Digitalisierung und
  • die Sinnkrise.

Bei letzterer können wir mehr oder weniger von einer permanenten Frage sprechen. Das gesellschaftliche Modell wird infrage gestellt. Was macht unsere Zeit aus, welchen Stil leben wir, was gibt uns Orientierung? Wir stehen kurz vor der Bundestagswahl, aber worin unterscheiden sich heute die Parteien?

Die Digitalisierung treibt die Globalisierung voran – und das hat Folgen. Im Journalismus erkennen wir, dass die „Privaten“ weiter auf dem Vormarsch sind. Die Reichweite der Öffentlich/Rechtlichen nimmt hingegen ab. War die Reichweite vor ein paar Jahrzehnten noch bei 80%, ist sie heute auf 30% zurückgegangen. Die junge Generation bricht weg, weil sich die Gewohnheiten für die Informationsaufnahme geändert haben. Die Vergleichbarkeit der Medien wird nur noch auf Grundlage von Einschaltquoten realisiert – Nachhaltigkeit sieht anders aus. Konsequenzen sind spürbar, eine verlässliche Information sieht anders aus. Es gibt Absprachen zwischen den Verlagen, Redakteure werden eingespart, dieselben Artikel erscheinen in verschiedenen Medien. Die Budgets für umfassende Recherche schmelzen dahin. Es geht in Richtung Monokultur.

Die Auswirkung zeigt eine Studie aus den USA. Hier konnten 80% der 12- bis 13-jährigen nicht mehr zwischen Werbung und Reportage unterscheiden.

Fake-/Junk-News tun ein Übriges und machen heute ca. 20% aller Meldungen aus. Potenzieren tut sich das Problem, da zunehmend diese Art von News nicht mehr von Menschen sondern von Algorithmen in Mikrosekunden – und daher massenhaft – generiert werden. Es scheint, kritische bzw. unabhängige Journalisten sind nicht mehr ausreichend präsent.

Die modernen Medien haben aber auch gesellschaftliche Systeme für alle vergleichbar gemacht, sie haben den Vorhang, den Schleier im wahrsten Sinne des Wortes wegreißen können. Erst so gelang die Deutsche Einheit, eingeleitet mit dem Fall der Berliner Mauer, eingeleitet durch die Montagsdemonstrationen, und auch der Arabische Frühling, initiiert durch die sozialen Medien.

Es gibt viele Fragen, die wir heute zum Thema loswerden können. Sie werden alle beantwortet. Zunehmend verlagert sich die Unterhaltung zurück zu den Tischen – Wir haben noch viel zu besprechen und nehmen uns viel Zeit dafür.

(Text & Fotos: Dr. Ralf Tempel)