Endlich mal wieder eine Reise, wenn auch nur für einen Tag. Wir fahren bei schönstem Wetter, unser Busfahrer Ralf ist uns auch schon bekannt aus zurückliegenden Reisen. Er fährt uns sicher und mit großer Umsicht heute hin und zurück.
Namur, die Hauptstadt der belgischen Region Wallonien, liegt malerisch am Zusammenfluss von Maas (Meuse) und Sambre, rund 65 Kilometer südlich von Brüssel. Als Sitz des wallonischen Parlaments verbindet die Stadt politische Bedeutung mit historischem Charme. Besonders die liebevoll erhaltene Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, kleinen Plätzen sowie zahlreichen Cafés und Restaurants lädt zum entspannten Bummeln und Verweilen ein.
Das Wahrzeichen Namurs ist die imposante mittelalterliche Zitadelle – eine der größten Festungsanlagen Europas. Sie thront etwa 200 Meter über der Altstadt und bietet einen beeindruckenden Panoramablick auf die Stadt und die beiden Flüsse. Wir erreichen sie bequem mit unserem Bus; alternativ hätte uns auch die Seilbahn hinaufbringen können.
Ein besonderes Highlight erwartet uns in den historischen Gewölben der Zitadelle: Die Parfümerie Guy Delforge hat hier in einem ehemaligen Labor für Militärartillerie ihren außergewöhnlichen Standort gefunden. Aus bis zu 1.200 kostbaren Essenzen entstehen vor Ort in sorgfältiger Handarbeit einzigartige Düfte. Anschließend reifen die Parfums mehr als ein Jahr lang bei konstanter Temperatur in großen Glasflakons in den unterirdischen Gängen der Festung. Erst danach werden sie von Hand abgefüllt und liebevoll verpackt. Ein faszinierender Einblick in traditionelles Parfümhandwerk.
Als krönender Abschluss auf der Zitadelle steht noch eine Rundfahrt mit einem kleinen Bähnchen durch einzelne Bestandteile der Festungsanlage. Wir sind sowohl von der jeweiligen Aussicht als auch von der Fahrt über den historischen, holprigen Belag des Untergrundes als auch das damit verbundenen Scheppern und Rütteln der Wagen (und dessen Bestandteile) begeistert. Letzteres überdeckt hervorragend die jeweiligen Ansagen in flandrischer, französischer und englischer Sprache über das gesehene, während wir uns ganz der intensiven Rückenmassage hingeben können.
Nach diesem ebenso interessanten wie duftenden Erlebnis bringt uns der Bus wieder hinunter in die Stadt. Nun bleibt genügend Zeit, die historische Altstadt auf eigene Faust zu entdecken. Trotz ihres lebendigen Zentrums strahlt Namur eine angenehme Ruhe und Gelassenheit aus. Beim Spaziergang durch die engen Gassen begegnen wir eindrucksvollen Bauwerken, kleinen Boutiquen und den verlockenden Auslagen zahlreicher Chocolatiers. Einer dieser süßen Versuchungen können wir schließlich nicht widerstehen und gönnen uns einige köstliche belgische Pralinen.
Für eine gemütliche Pause kehren wir anschließend in einem Restaurant am Place d’Armes ein. Von dort genießen wir den Blick auf die historische Handelsbörse „La Bourse“, während wir bei einem Trappistenbier und knusprigen Pommes frites neue Kraft für die weiteren Entdeckungen sammeln.
Text und Fotos: Dr. Ralf Tempel

















