Fahrt in den Harz

28. April – 3. Mai 2022

Wir fahren in die (ziemlich) Mitte Deutschlands. Der Harz erstreckt sich über eine Länge von 90km und einer Breite von 30km, dazu kommt noch die Fläche des Harzvorlands. Das ganze Gebiet steht für bedeutende mittelalterliche Städte, Wasserwirtschaft und Bergbau. Die Berglandschaft bietet Wanderwege, Stauseen, eine gewaltige Hängebrücke, Höhlen, einen Dampfzug. Jahrhundertelang prägte Bergbau die Region und hinterließ die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten der Oberharzer Wasserwirtschaft, die Altstadt Goslars und das Bergwerk Rammelsberg.

Donnerstag, 28. April – Anreise nach Bad Lauterberg

Pünktliche Abfahrt ab Duisburg bei bestem Wetter. Wir sind gutgelaunt, die Bordverpflegung ist optimal, besser kann die Fahrt nicht beginnen als mit leckeren Brötchen, Kaffee und einem „Piccolöchen“. Nach einem Zwischenstopp kurz hinter Kassel mit obligatorischem 3-Gänge-Menü am Bus setzen wir die Fahrt fort bis kurz vor unserem Standortquartier für die nächsten sechs Tage: Wir halten in Walkenried, genauer am dortigen ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried. Vor fast 900 Jahren errichtet als Ausgründung des Klosters Kamp, fand fast 400 Jahre lang eine klösterliche Nutzung statt. Man widmete sich der Montanwirtschaft in unmittelbarer Umgebung und der Landwirtschaft im entfernteren Thüringen und Sachsen-Anhalt – früher war das alles Sachsen. Aufgrund seiner wirtschaftlichen Tätigkeiten wurde das Kloster Walkenried zu einem der reichsten und politisch bedeutendsten Klöster des Reformordens der Zisterzienser.

Ora et labora et lege; all das finden wir während der Besichtigung wieder: Zu Hochzeiten lebten hier 80 Chorbrüder und bis zu 240 Halbbrüder, wir sehen das riesige Portal der ehemals größten, norddeutschen, gotischen Klosterkirche, das weite, trockengelegte Ried, den Kreuzgang und das Skriptorium neben vielen anderen Räumlichkeiten der Klosteranlage.

Die für den Bau verwendeten Kalksteine und der Fugengips stammen aus diesem Gebiet, wir können die Felsen aus Karstgestein gut erkennen. In den letzten 500 Jahren erfuhren die verwendeten Steine eine Widernutzung in dem nun weitläufigen und wehrhaften Wirtschaftshof.

Kurz darauf erreichen wir unser Hotel in Bad Lauterberg, wir richten uns ein und treffen uns anschließend zu unserem Abendessen. Eine exzellente Küche erwartet uns.

Freitag, 29. April – Wernigerode

Wir fahren quer durch den Nationalpark Harz. Erschreckend ist das Ausmaß des Waldsterbens – riesige Flächen sind kahl, die Stämme liegen oder stehen als verdorrter Stamm … und sind mehr als sprachlos. Zu sehen sind auch die verschiedenen Ursachen, wie anhaltende Trockenheit, Borkenkäfer, Stürme und Waldbrände. Uns bleibt die Hoffnung auf eine Wiederbelebung.

Endlich erreichen wir Wernigerode und wenden uns zuerst dem Schloss zu, welches erst Burg, danach Schloss und später dann ein Prinzessinnen Schloss (wegen der vielen – nachträglich – errichteten Türmchen) wurde. Begrüßt werden wir im Innenhof mit einem Gläschen Sekt, sichtlich belebt starten wir zum Rundgang durch die Räumlichkeiten und ihrer innewohnenden Geschichte.

Das Mittagessen erwartet uns im „Weißen Hirsch“, direkt am Marktplatz von Wernigerode und gegenüber dem Rathaus gelegen, eine gebackene Forelle aus Wendefurth, welch ein Gedicht!

Anschließend startet unsere Kremser Fahrt, ausgehend vom mittelalterlichen Rathaus kreuz und quer durch die historische Altstadt mit den vielen Fachwerkhäuschen und einschließlich des „Schiefen Hauses“.

Auf dem Rückweg erwartet uns noch ein kleiner Leckerbissen im Baumkuchenhaus, wo Interessantes zur Geschichte, Herstellung und zum Geschmack zu erfahren ist.

Samstag, 30. April – Okerstausee & Goslar

Mit unserem Bus geht es entlang des Harzes zum Okerstausee bei Altenau. Hier besteigen wir das einzige Ausflugsschiff und fahren u.a. zum Hauptstauwerk (ist eine Bogengewichtsmauer, konstruiert von einem Franzosen, die Grundkonstruktion besteht aus zwei Halbzylindern) und weiter zum Hilfsstauwerk, welches die beiden Zuflüsse Oker und Schwarzes Wasser reguliert. Ohne letzteres könnte der Wasserspiegel bis zu 2m / Tag bei Hochwasser und Schneeschmelze ansteigen. Der Stausee dient auch der Trinkwasserversorgung für die Nordharzgebiete bis hin nach Bremen. Deshalb ist hier auch nur das Schwimmen und der Sportbootverkehr erlaubt.

Guter Stimmung machen wir uns anschließend nach Goslar auf. Zunächst erwartet uns ein kurzes Mittagessen im Restaurant „Weite Welt“, um dann mit dem Stadtrundgang durch die mittelalterliche Altstadt, beginnend mit Glocken- und Figurenspiel am Markt, vorbei an den vielen Häusern aus dem 14. und 15. Jahrhundert – u.a. auch dem Siemenshaus aus dem 17. Jahrhundert, zu der Zeit als Siemens noch Simens geschrieben wurde.

Ein Höhepunkt stellt der Besuch der Kaiserpfalz dar, dem wohl bekanntesten Wohnort von Königen und Kaiser mit seiner fast 1000-jährigen Geschichte. Nach wechselvollen Zeiten wurde der zweigeschossige Saalbau (unten für Winter- und oben für Sommeraufenthalte) der Kaiserpfalz zwischen 1867 und 1875 baulich renoviert und mit 68 großformatigen, historisierenden Wandmalereien im Kaisersaal geschmückt – einfach beeindruckend!

Zurück nach Bad Lauterberg erwarten uns auch schon die losgelassenen Hexen bzw. Geister; es ist schließlich Walpurgisnacht. Es herrscht Volksfeststimmung, die ganze Stadt scheint auf den Beinen.

Sonntag, 1. Mai – Kyffhäuser & Barbarossahöhle

Unverhofft kommt oft oder „Wer weiß, wofür es gut ist“, so kann man unseren heutigen Start überschreiben. Statt des geplanten Aufenthaltes in Bad Frankenhausen und seinem Monumentalbild – Panorama Museum mit Bildern von Werner Tübke zur frühbürgerlichen Revolution, gibt es einen spontanen Halt in der Barockgemeinde Bendeleben (ca. 600 Einwohner) vor der Orangerie. Es wird die diesjährige Maikönigin, unser Veranstaltungswart Frau Katharina Tempel, ausgerufen und natürlich ist anschließend das Singen des Mailiedes obligatorisch. Wir stoßen auf das Wohl der Maikönigin an. Ein einzigartiger Moment.

Unverhofft kommt René Pfeiffer, der Ortsbürgermeister, vorbei und erzählt aus der Geschichte des Ortes. Leicht lässt er sich auch erweichen, uns die Orangerie und den zugehörigen Park zu zeigen. Welch ein außergewöhnlicher Vormittag!

Nun flugs auf zum Mittagessen „Zu den fünf Eichen“ und anschließend weiter zum Kyffhäuser, aber als wir unterhalb des Sockels stehen, beschließen wir diesen Blick zu bewahren und uns sogleich unweit zur Barbarossahöhle zu begeben.

Sie ist die einzige Anhydrit-Schauhöhle Europas, zufällig von Bergleuten bei der Suche nach Kupferschiefer entdeckt. Unglaubliche Blicke ergeben sich auf Hohlräume, Grotten und Seen. Das Anhydrit wandelt sich durch die Luftfeuchtigkeit in der Höhle oberflächlich zu Gips um und nimmt dabei an Volumen zu. Die so entstehenden Gipsschichten lösen sich allmählich von den Wänden ab und hängen ähnlich wie abfallende Tapeten. Weiter hinten erblicken wir auch Tisch und Thron von Barbarossa.

Überwältigt von dem etwas anders verlaufenen Tag lassen wir die Bilder am Abend nochmal Revue passieren.

Montag, 2. Mai – Quedlinburg & Hexentanzplatz

Unser hiesiger Führer Hajo begrüßt uns herzlich In Quedlinburg, auf plattdeutsch Queddelnborg. Er führt uns durch deren architektonisches Erbe, die Altstadt, die auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes steht. Der Stolz ist der Stimme unseres Führers anzumerken, er erklärt die historischen Zusammenhänge kurz und prägnant – ohne Chichi – wir sind begeistert von seinen Worten. Er führt uns über das Kopfsteinpflaster der engen Gassen hin zu alten Höfen und kleinen Plätzen, die es hier die Masse gibt, fast scheint es so, dass wir Teil des Mittelalters wären. Es gibt noch über 2.000 Fachwerkhäuser. Der Ursprung liegt noch weiter zurück: 922 urkundlich zum ersten Mal erwähnt und 994 mit dem Stadtrecht versehen, war die Stadt vom 10. bis zum 12. Jahrhundert Sitz der zu Ostern besuchten Königspfalz weltlicher Herrscher.

Jetzt noch ein kurzer Stopp im Brauhaus Lüdde, wir lassen uns Pubarschknall & Knuttenforz schmecken, welch ein Labsal nach dem Stadtgang. Nun aber wieder schnell zurück zum Marktplatz. Mittag nehmen wir dann im „Zum Bär(en)“ ein. Abschließend noch ein weit schweifender Blick über den Marktplatz zum Rathaus – es ist eine einzigartige Kulisse.

Die Fahrt zum Hexentanzplatz bei Thale vergeht schnell, wir stärken uns noch kurz mit Kaffee & Kuchen. Am Fuße der Gondelbahn begrüßt uns die Hexe Griseldis – sie bringt uns die Sitten und Gebräuche rund um das Hexenwesen im Allgemeinen und um Walpurgis im Speziellen näher. Es sprudelt nur so aus ihr heraus, gleich so wie die Wassermassen aus dem „Zauberlehrling“. Und das Beste: Alle Worte entströmen in Versform, ganz so wie in Goethes „Faust“, ein Menge Zitate entstammen auch dem Gleichen – einfach unglaublich! Aber auch Hexen-Nachwuchs wird gesucht und in „Michaela“ auch gefunden. Eine herrliche Vorstellung oben auf dem Hexentanzplatz mit Blick auf das Bodetal und hinüber zur Roßtrappe mit dem berühmten Hufabdruck, einem 400m hohem Granitfelsen. Die Sage berichtet von Bodo, dem furchterregenden Riesen, und der bildschöne Königstochter Brunhilde.

Wir sind mehr als begeistert!

Dienstag, 3. Mai – Brocken

Abfahrt von Wernigerode mit der Harzer Schmalspurbahn hinauf zum Brocken, die Dampflok zieht eine ganze Reihe von Wagen, es ist eine Augenweide die historischen Waggons und die Dampflok, so auf Hochglanz geputzt, zu erleben. Einige von uns halten sich die ganze Fahrt über nur auf den Perrons auf – nur um zu schauen oder Fotos zu schießen.

Leider sehen wir wieder die vielen kahlen Hänge, teils liegen oder stehen noch die kahlen Stämme. Aus dem Lautsprecher im Wagen tönt es dazu: „Der Wald lebt, jetzt haben Pflanzen und Tiere, die sonst nie das Licht gesehen haben, die Gelegenheit, sich zu entwickeln“. Soviel Optimismus hat bei uns noch nicht Raum greifen können. Wir hoffen inständig, dass sich die Natur ihren Lebensraum zurück erobern kann.

Das Bähnchen schraubt sich immer höher, langsam nähern wir uns dem Gipfel. Wir haben sehr, sehr viel Glück, wir haben einen Aufenthalt bei schönstem Wetter, angenehmen 10°C und guter Sicht. Wir genießen die Aussicht in alle Richtungen, einige stärken sich mit einer Thüringer Rostbratwurst. Schließlich naht die Rückfahrt, wir fahren bis Drei Annen Hohne, von nun an geht es mit dem Bus zurück nach Duisburg. Eine eindrucksvolle Reise in das Herz Deutschlands zeigt uns unsere reichhaltige Geschichte.

(Text Dr. Ralf Tempel und Fotos: Dr. Michael Greeske, Klaus Hobohm, Dr. Hildegard Jahnke, Conny Klein, Dr. Stefan Koßlowski & Dr. Ralf Tempel)


Gemeinsamkeiten von technischen Sicherheits- und Mobilfunksystemen

Besichtigung der THz Labore und des Brandentdeckungslabors, sowie Vortrag von Herrn Prof. Dr. Andreas Czylwik

Universität Duisburg-Essen, NTS & SOCIETÄT DUISBURG e.V., 18. Mai 2022

Heute steht ein umfangreicher Nachmittag bzw. Abend auf dem Plan: Zunächst schauen wir uns an der Uni in Duisburg im Fachgebiet Nachrichtentechnische Systeme zwei Labore an:
– THz-Labor
– Brandentdeckungslabor
Am Eingang begrüßt uns Prof. Czylwik, danach teilen wir uns in zwei Gruppen auf.
Unsere Gruppe wird von Frau Liu übernommen, sie zeigt uns die THz Labore. Im ersten zeigt sie uns einen Testaufbau, wie er in etwa in modernen Körperscannern auf Flughafen zu erleben ist: Es gibt eine THz Quelle, die im weiten Frequenzbereich eingestellt werden kann, und einen Detektor zum Empfang der Strahlung. So ähnlich hat es Wilhelm Röntgen vor fast 130 Jahren mit den gleichnamigen Strahlen gemacht, nur dass die THz Strahlen vollkommen ungefährlich sind. Und die Abmaße der Apparaturen sind geradezu winzig gegenüber einer Röntgenanlage. Wird nun ein Gegenstand zwischen Quelle und Detektor gebracht, sieht man diesen Körper bildlich auf dem Bildschirm dargestellt. Wir erkennen den Körper auch durch Abdeckungen hindurch und sehen den Einfluss von Feuchtigkeit, … faszinierend! In einem zweiten Labor sind luftgefederte, optische Bänke zu bestaunen, wieder kommen Laser mit fast identischer Frequenz zum Einsatz, um mit dem dabei entstehenden Differenzsignal im THz Bereich Messungen zu Material, Konsistenz, Oberflächenrauigkeit u.a. vorzunehmen.
Nun wechseln wir den Standort und werden von Herrn Dr. Schultze in Empfang genommen. Im rauchigen, geschwärzten Testraum erklärt er die Funktionsweise eines herkömmlichen Rauchmelders: In aller Regel bestehend aus einer Lichtquelle und einem Fotoempfänger. Befindet sich zwischen beiden saubere Luft in der winzigen Rauchkammer, so wird kein Signal ausgelöst, kommt nun aber Brandrauch in den Melder und damit in die Rauchkammer, dann streuen die Rauchpartikel das Licht. Der Alarm wird ausgelöst. Die Herausforderung: Die Streuung erfolgt nicht nur an Rauchpartikeln, sondern auch an Nebelschwaden und normalem Staub. Das führt zu Fehlalarmen, die jeder sicher schon erlebt hat und einfach nur ärgerlich, aber bei Ausrücken der Feuerwehr auch noch kostenintensiv, ist. Hier nun werden neue Verfahren untersucht, um diese Fehlalarme zu vermeiden, d.h. zu erkennen, aus welchen Stoffen der Rauch besteht – fantastisch, wir freuen uns schon auf die neue Generation von intelligenten Rauchmeldern. Dann können diese endlich auch Verwendung in Ställen und anderen Tiergehegen finden.
Wir wechseln hinüber zur Societät, genießen das warme Sommerwetter auf der Terrasse. Wenig später eröffnet der Vorsitzende den zweiten Teil der Veranstaltung und begrüßt alle Anwesenden. Wir wenden uns zuerst dem Essen zu. Herr Hobohm hat es sich wieder nicht nehmen lassen und ein Essen passend zum Thema kreiert: Grillen steht beim Hauptgang im Mittelpunkt mit Gambas, Schweine- und Rinderfilet. Auch die Vorspeisen lassen nichts zu wünschen übrig: Ragout Fin im Blätterteig, Shrimps Cocktail und Camembert an Preiselbeeren – Ein Gedicht!
Der Vorsitzende führt den Vortragenden kurz ein. Danach übernimm Herr Prof. Czylwik. Er beschreibt kurz die personelle Ausstattung und die Forschungsfelder des Fachgebietes. Danach geht er schon direkt in die Materie, beginnend mit einem Blockschaltbild eines modernen Funksystems, so verstehen nicht nur wir besser, was alles betrachtet werden muss, um eine drahtlose Übertragung von Sender und Empfänger hinzubekommen. Er beschreibt die verschiedenen Verfahren zum „Herausrechnen“ von Störern unter Verwendung von speziellen Modulationsverfahren oder / und auch Mehrfachantennen. Ebenfalls gestreift werden die technischen Herausforderungen in zellularen Mobilfunksystemen. Schließlich kommt Herr Czylwik auf den Einsatz dieser Technik in Sicherheitssystemen, wie Brandentdeckung in Flugzeugen oder Videomikroskopie zur Detektion von Bränden an großflächigen Arealen, wie Wälder und Hafenanlagen (Problem hier: Spiegelnde Wasseroberfläche).
Ein hochinteressanter Nachmittag / Abend mit einer Vielzahl von Details zu Brandentdeckung, geht zu Ende. Lange sitzen wir noch zusammen.

(Text und Fotos: Dr. Ralf Tempel)


„Lets work“ - Liederabend

„Lets work“ – Liederabend

Theater Duisburg – Foyer III, 3. März 2022

Heute haben wir einen Außentermin. Auf dem Weg dahin sind wir nun einige von 4.000 Demonstranten, die sich auf dem Opernplatz versammeln, um ein starkes Zeichen gegen Putins Krieg in der Ukraine und für ein friedliches Europa zu setzen.

Der Besuch des Liederabends erfolgte auf Empfehlung des Intendanten, Herrn Michael Steindl. Dieser sind wir sehr gern nachgekommen, um uns ein durchweg stark gesungenes und gespieltes Theaterstück zum Thema Arbeit – und im Besonderen zum Struktur- und Lebenswandel im Ruhrpott – mit zu erleben. Aber bevor es soweit ist, hat jeder von uns auch noch eine Hochleistung zu erbringen: Der Aufstieg zum Foyer III.

Da sind wir nicht die Einzigen, die Akteure des Abends laufen zur Höchstleistung auf. Es wird nicht nur ohne Pause gesungen und musiziert, parallel dazu werden auch ununterbrochen (leere) Bierkästen auf und ab gestapelt. Die 50 Kästen werden ständig umgruppiert und damit ändert sich immerfort die Szenerie, passend zum jeweiligen Musikstück. Wunderbar, wie mit wenigen Mitteln so viel unterschiedliche Gefühle ausgedrückt werden können.

Michael Steindl und Wolfgang Völkl haben sich dieses Mal das Thema „Arbeit“ in all ihren Facetten und Entwicklungen vorgenommen. Der musikalische Bogen ist wieder weit gespannt, von Deichkind über Bob Dylan, Geiersturzflug, Wolf Biermann, Peter Alexander, Georg Kreisler, Bruce Springsteen, die Bangles, Janis Joplin, John Lennon u.a. Fünf Schauspieler krempeln die Ärmel hoch und stapeln singend Bierkisten. Angetrieben ohne Unterlass werden sie von Wolfgang Völkl am Klavier. Es gibt keine Pause zwischen den einzelnen Musikstücken, ganz so wie uns Arbeit ohne Unterlass letztendlich atemlos zurücklässt.

Musikalische Leitung:  Wolfgang Völkl

Regie / Bühne:              Michael Steindl

Kostüme:                      Frederike Marsha Coors

Es spielen:                    Katharina Abel, Robin Berenz, Kai Bettermann,
.                                   Adrian Hildebrandt, Tatjana Poloczek, Wolfgang Völkl

Nach der Vorstellung gibt es noch ein kleines Sit-in mit den Akteuren zur Idee und Auswirkungen bis heute hier in Duisburg, zu den Proben, wie lange die Inszenierung allein der Bierkasten-Stapelei gebraucht hat und viele Fragen mehr.

Ein hochinteressanter Abend, der mit vielen neuen Einsichten zum Thema „Work-Life Balance“ aufwartet, geht zu Ende. Bravo!

(Text: Dr. Ralf Tempel und Fotos: Sascha Kreklau (6), Erwin Pottgießer & Dr. Ralf Tempel)


Was ist los in der Ukraine?

Vortrag von Herrn Johannes Pflug

SOCIETÄT DUISBURG e.V., 27. Februar 2022

Unser Neujahrsempfang ist schon wieder der Pandemie zum Opfer gefallen, aber aufgescho­ben ist nicht aufgehoben. Als wir den vorgesehenen Referenten vor zehn Tagen fragten, ob er kurzfristig für heute zur Verfügung stehen könnte, antwortete er mit einem schlichten „Ja“. Überdies kam man schnell überein, das Thema doch abzuwandeln und auf die sich zuspitzende Lage in der Ukraine einzugehen. Aber wer hätte ernsthaft angenommen, dass drei Tage vor unserer Veranstaltung der Krieg dort ausbricht und Putin mit seinen Soldaten einmarschiert?

Der Vorsitzende eröffnet mit nachdenklichen Worten zum Einfall des größten in das zweitgrößte Land Europas. Dieser Überfall ist strategisch vorbereitet, es gibt viele Parallelen mit dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen. Aber wie können wir uns wieder aus dieser schrecklichen Lage – ein Krieg in Europa – befreien?

Hierzu wird uns unser heutiger Referent, Herr Johannes Pflug, mit seinen profunden Kenntnissen aus seiner langwährenden Arbeit in den Auswärtigen Ausschüssen des Deutschen Bundestages die verzwickte Situation beleuchten. Wie konnte es soweit kommen? Was tragen wir selbst zur Entwicklung der Lage bei? Wie können wir helfen, diese Krise jetzt zu überwinden und für die Zukunft gewappnet zu sein?

Die zeitliche Abfolge ist heute verändert, es kommt erst der Vortrag und dann das Essen. Herr Hobohm hat sich auch wieder spezielle Speisen – natürlich wie immer passend zum Thema – einfallen lassen:

  • Zur Begrüßung gibt’s einen Vodka mit Heringshäppchen,
  • anschließend eine Soljanka (Suppe) mit Zitrone, Schmand und Kümmelbrot,
  • als Hauptgang ein Filet „Stroganoff“ mit Kartoffelstampf und Weißkohl in Rahm und
  • als Nachspeise Wareniki und Syrniki (Gefüllte Teigtaschen & Quarkpfannkuchen) mit Zimtapfel, Honig und Schmand … und alles wird serviert!

Frau Ilse Neuber hat darüber hinaus jedem noch eine kleine, flüssige Wegzehrung (gegen die Kälte) an den Platz legen lassen und der Vorsitzende wurde kurzfristig vor der Veranstaltung beauftragt, für jeden Tisch noch das ukrainische Wappentier, die Nachtigall, erscheinen zu lassen – er zog sich mit einer Origami Arbeit aus der Affäre.

Herr Johannes Pflug schildert zunächst seine Erfahrungen, die er sowohl im Bergbaugebiet im Donezk oder aber auf den Maidan sammeln konnte. Dabei hat er zahlreiche ukrainische Politiker kennengelernt. Sein Interesse an der Ukraine wurde insbesondere durch die Okkupation der Krim angefacht.

Er blickt zurück bis zum Ende des 1. Weltkrieges, da gehörte die Ukraine zum Zarenreich, anschließend gehörte sie zu den vier Gründungsmitgliedern der UdSSR. Die Krim gehörte da noch zu Russland, erst 1954 schenkte Chruschtschow sie der Ukraine, weil diese einen Landzugang zur Halbinsel hatte. Ab dem Frühjahr 1990 zerfiel die Sowjetunion insbesondere durch die Unabhängigkeitserklärungen der baltischen aber auch der Südkaukasus Staaten. Gorbatschow versuchte sich dem Verfall mit dem GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) Vertrag entgegenzustemmen, aber da brach schon die Zeit von Jelzin an. 1991 stimmte die Ukraine mit über 92% gegen einen GUS Beitritt. In der gleichen Zeit separierte Russland Teile von Georgien (Abchasien, Adcharien, Südossetien), in Moldawien Transnistrien, unterstützte Armenien im Krieg um Bergkarabach und führte einen brutalen Krieg gegen Tschetschenien.

Außenpolitisch spiegelte sich die politische und wirtschaftliche Schwäche schon bei der deutschen Wiedervereinigung wider. Der 10 Punkte Plan Helmut Kohls überraschte – wie auch andere europäische Führer – Gorbatschow und Schewardnadse stark. Aber die Zusicherung, die NATO nicht nach Osten weiter auszudehnen, beruhigte zunächst, zumal auch James Baker, damaliger US-Außenminister dem nicht widersprach. Allerdings sah das später George W. Bush, der von den Falken Rumsfeld und Wolfowitz beraten wurde, ganz anders: Wir machen keine derartige Zusage, das russische System ist unterlegen, wir regeln das mit Geld. Es folgte die erste NATO-Osterweiterung mit Polen, Tschechien und Ungarn, gefolgt von der zweiten 2004 mit Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei und Slowenien. Jetzt haben sich nicht nur ehemalige Sattelitenstaaten unter den NATO-Schirm begeben, sondern nun auch ehemalige Sowjetrepubliken. Dies war sicher ein großer Fehler, die Amerikaner schert das nicht, die Europäer – insbesondere Deutschland – bevorzugten eine NATO-Partnerschaft, haben sich aber mit ihrer Meinung nicht durchsetzen können, Russland protestiert, ohne sich Gehör verschaffen zu können.

Aber wie sah es in der Ukraine aus? Genau wie auch in Russland begann man mit der Privatisie­rung der Wirtschaft, die große Zeit der Oligarchen brach an, sie begannen sich Vermögen anzueignen mit Bestechung, mit gut organisierten Banden die die mit brutaler Härte die Ziele der Oligarchen durchsetzten. Jede freie Wahl wurde von den Oligarchen beeinflusst, selbst bei der letzten Wahl wurde der spätere Gewinner Selenskij von Firtasch (Düngemittel, Gasgesellschaften) unterstützt.

Bei den ersten Präsidenten-Wahlen siegten Personen, die allesamt dem alten KPdSU Kader entstammten. Als Höhepunkt stellt sich die Orange Revolution dar; das Ergebnis der demokrati­schen Wahl wurde von beiden Seiten angezweifelt und im Jahr 2014 geht es nicht um einen formalen Machtwechsel. Es wurde ein grundlegender Systemwechsel angestrebt – mit über 100 Toten nach den Massenprotesten. Als Russland die Krim besetzte, unterstützten die Amerika­ner die Ukraine auch militärisch, ausdrücklich gegen den europäischen Rat. Es kam noch besser: Die wichtigste Europaberaterin Obamas, Nuland, sollte die aufgebrachten Europäer beschwichtigen, aber sie heizte die Dissonanz noch an im Zusammenhang mit der Lage in der Ukraine: „Fuck the EU“, Europa hatte keinen Plan, waren uneins, brachten nur ihren Protest zum Ausdruck = Blanke Tatenlosigkeit. Das konnte Putin nur ermutigen, er unterstützte aktiv die Separatisten im Donezk und Lugansk, auf der Krim ließ er sein Militär ohne Hoheitszeichen einmarschieren. Und Putin ließ die Lage in der Ukraine immer weiter eskalieren, bereitete den Krieg akribisch ideologisch, politisch und militärisch vor. Mit brutaler Gewalt geht Putins Armee gegen die ukrainische Bevölkerung vor, zerstört alles, militärische Einrichtungen wie auch Krankenhäuser und Schulen.

Russland ist von der Welt isoliert, die Resolution des UN-Sicherheitsrates vom 25. Februar 2022 verurteilt das Russlands Krieg auf schärfste, scheiterte aber am Veto Russlands. 11 Mitglieder stimmten dafür, China, Indien, VAR enthielten sich.

Johannes Pflug gibt auch noch einen Ausblick, wie sich die Situation in Russland und in der Ukraine entwickeln wird. Sehr unheilvolle Vorahnungen, die sich niemand wünscht aber dennoch eintreten können. Wir können (und müssen) uns hier mit der Ukraine in jeder Hinsicht solidarisieren.

Ein mit Fakten und intimen, politischen Kenntnissen hoch angereicherter Vortrag endet. Zahlreiche Fragen werden von Johannes Pflug auch noch ausführlich beantwortet.

Ein hochinteressanter Nachmittag, der mit einer Vielzahl von Details zu Russlands Krieg in der Ukraine aufwartete, geht zu Ende.

(Text: Dr. Ralf Tempel, Fotos: Dr. Michael Greeske & Dr. Ralf Tempel)